Auslandssemester in Cádiz, Spanien - ein andalusischer Traum!

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Mein Alltag in Cádiz

Erste Surfversuche...

Erste Surfversuche…

Es ist schwierig während eines Auslandssemesters von „Alltag“ zu sprechen. Ich versuche so viel wie möglich von der Zeit, die ich hier habe mitzunehmen, alles auszuprobieren, viele Leute kennenzulernen, viel zu reisen – und dabei natürlich mein Studium nicht zu vernachlässigen.

In meiner WG sind wir ein bunt gemischter Haufen, bestehend aus zwei Spaniern, einer Koreanerin, einer Mexikanerin und zwei weiteren Deutschen. Mit den meisten verstehe ich mich sehr gut und mit einigen bin ich mittlerweile auch eng befreundet. Ich fühle mich sehr wohl in meiner WG, allerdings gibt es in Cádiz noch einige schönere Orte um seine Zeit zu verbringen. Da Cádiz eine Halbinsel ist, ist das Meer meist nur wenige Gehminuten entfernt. So kommt es, dass ich hier auch einen Surf Kurs gemacht habe. Anfangs war mir noch etwas mulmig zumute, als ich im Februar meine Füße ins kalte Atlantikwasser getaucht habe, aber schnell hat der Spaß die Oberhand gewonnen. Aber natürlich kann man an den wunderschönen Sandstränden von Cádiz auch einfach nur entspannen, was ich bereits an zahlreichen sonnigen Nachmittagen zusammen mit Freunden gemacht habe. Da ist es manchmal gar nicht so einfach nicht zu vergessen, dass man nicht im Urlaub ist, sondern im Auslandssemester. Darum verirren sich ab und zu auch Unterlagen für die Uni in meiner Strandtasche zwischen Sonnencreme und Badetuch, um das Gewissen etwas zu beruhigen. 😉

An ein paar Dinge musste ich mich in meinem Auslandssemester aber erst einmal gewöhnen. Zum einen an die Essenszeiten. Abends trifft man sich gerne mit Freunden in einer der vielen Tapas Bars um bei leckerem und meist günstigem Essen zu plaudern. Möchte man hier allerdings vor 21 Uhr zu Abend essen, darf man sich nicht wundern, wenn bei vielen Restaurants die Türen noch verschlossen sind. So bleibt nur sich anzupassen – und auch das Mittagessen nach hinten zu verschieben, auf ca. 15 Uhr. Anfangs habe ich mich außerdem noch

Sonnenuntergang am Strand

Sonnenuntergang am Strand

gewundert, wieso Spanier stets schreien, wenn sie sich unterhalten, bis ich herausgefunden habe, dass es sich dabei um die normale Gesprächslautstärke handelt. Da bleibt nur eins – mitschreien! Gerne gewöhnt man sich übrigens an die Gelassenheit der Andalusier. Kommst du beispielswiese etwas zu spät und entschuldigst dich, folgt meist der typische Satz „¡no pasa nada!“, der so viel bedeutet wie „macht nichts/mach dir keine Sorgen!“. Ein Satz, der eine Mentalität verkörpert und der mein Auslandssemester stark geprägt hat.

Da sich in Cádiz das studentische Leben vor allem auf die Altstadt konzentriert, trifft man beim Schlendern durch die engen Gässchen stets Freunde. So bin ich eigentlich nie alleine unterwegs und manchmal werden ganz spontan die nächsten Reisepläne geschmiedet. Cádiz ist zweifellos eine wunderschöne Stadt mit ganz viel Flair, vielen historischen Gebäuden, wunderschönen Stränden und tollem Wetter – hat aber auch eine perfekte Lage um andere Städte zu besichtigen. So habe ich während meines Auslandssemesters bereits einige Wochenenden mit Reisen verbracht…

Vom Reisefieber gepackt

So war ich zum Beispiel in Gibraltar, Córdoba, Granada, Sevilla, Tarifa, Málaga und selbst in Marokko. Außerdem habe ich einige der berühmten andalusischen weißen Dörfer besichtigt, die schon allein dank ihrer idyllischen Lage, oft in Naturschutzgebieten, einen Besuch wert sind. Zu ein paar Reisen möchte ich euch nun Näheres berichten:

Gibraltaraffen

Gibraltaraffen

Der Tagesausflug nach Gibraltar war schon etwas Besonderes. Wir waren alle ein wenig aufgeregt, als wir mit unserem Bus an der Grenze ankamen. Als dann ein britischer Grenzpolizist einstieg und mit unverkennbar englischem Akzent nach unseren Pässen fragte, wurde uns allen bewusst, dass wir gleich Spanien hinter uns lassen würden. Ich bin ein wenig durch die Gassen der kleinen Stadt geschlendert und Fotos mit britischen Telefonzellen durften natürlich auch nicht fehlen. Aber das absolute Highlight war natürlich die Wanderung auf den Fels von Gibraltar! Nicht nur konnten wir von dessen Spitze aus auf das weniger als 20km entfernte Afrika blicken, sondern hatten auch die Möglichkeit, hautnah die berühmten Gibraltaraffen zu erleben. Beides waren ganz besondere Momente. Es ist ein unglaubliches Gefühl einem anderen Kontinent so nahe zu sein, so dass man mit bloßem Auge dessen Berggipfel klar am Horizont sehen kann. Ein etwas mulmiges Gefühl hatte ich dagegen, als mir einer der Affen sehr nahe kam und sogar seinen Arm nach mir ausstreckte. Erst um seine Hand auf meine zu legen – dann um in meiner Jackentasche nach Essen zu suchen. Diesen Tag werde ich jedenfalls noch lange in Erinnerung behalten.

Vor der Alhambra in Granada

Vor der Alhambra in Granada

Granada, die letzte maurische Bastion auf der iberischen Halbinsel, vor der Reconquista der Reyes Católicos im Jahr 1492, ist eine Stadt die seine Besucher mit einem ganz eigenen Charme in verzaubert. Der arabische Einfluss auf die Stadt aus vergangener Zeit ist noch heute deutlich zu spüren. Hier haben die Mauren damals wahre Prachtbauten errichtet, die auch heute noch die glanzvolle Zeit unter der arabischen Herrschaft erahnen lassen. Das beste Beispiel dafür ist die Alhambra, Höhepunkt der islamischen Baukunst. Die maurische Palastanlage liegt majestätisch vor den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Während man durch die satten Gärten innerhalb der Burgmauern streift durch die schon Könige geschritten sind, oder sich von den vielen filigran gearbeiteten Details in den Mauern, Decken und Säulen der Paläste verzaubern lässt, kann man schnell die Zeit vergessen. So brauchte ich erst mal einen Moment um mich wieder in die heutige Zeit zurückzuversetzen, nachdem ich mich einen halben Tag lang wie ein Besucher in einem Märchen aus 1001 Nacht gefühlt hatte.

Verkaufsstand auf dem Souk in Marrakech

Verkaufsstand auf dem Souk in Marrakech

Nachdem ich erstmals „arabische“ Luft geschnuppert hatte, wollte ich unbedingt noch mehr kennenlernen. So ging meine nächste Reise mit einer Gruppe von Freunden nach Marokko. Die Reise begann in Marrakesch, das mich bereits kurz nach der Ankunft mit einer Fülle verschiedener Eindrücke überwältigte. Die engen Gassen schienen sich wie in einem Labyrinth kreuz und quer durch die Stadt zu winden. Besonders faszinierend war der Souk, wo in arabischen Städten die Waren feil geboten werden. Neben bunten Tüchern, Schuhen und anderen Gewändern gab es eine Vielzahl von Gewürzen zu bestaunen, die sich in verschiedensten Farben neben den Bergen von Trockenfrüchten auftürmten. Darüber hinaus gab es Öle, Tees, arabische Kosmetik und vieles mehr. Jeder Stand lud aufs Neue dazu ein die Waren zu bestaunen und sollte einem etwas ins Auge springen, über dessen Preis zu verhandeln. Hinter dem Souk lag der große Marktplatz, der mit Schaustellern wie Schlangenbeschwörern und Feuerschluckern gefüllt war und wo traditionelles Essen angeboten wird.

Berberdorf inmitten einer Oase

Berberdorf inmitten einer Oase

Nach der Fülle von Eindrücken aus Marrakesch ging es weiter Richtung Süden. Dabei überquerten wir das Atlasgebirge und machten anschließend Halt in einem typischen Berberdorf. Es war beeindruckend, wie die Landschaft sich immer weiter veränderte, je weiter wir das Gebirge überquert hatten. Nachdem die grünen Pflanzen erst einer Strauchlandschaft gewichen sind die sich über mehrere Kilometer hinzog, veränderte sich das Bild erneut und war schließlich geprägt von einer kargen, felsigen Landschaft. Es wurde deutlich, dass wir uns der Wüste näherten… Viele Kilometer lang war kein einziges Dorf zu sehen. Nur wenn man sich einer Oase näherte, wo beispielsweise Dattelpalmen gedeihen und somit Landwirtschaft möglich machen, konnte man Dörfer sehen. Diese schier unendliche Weite der kargen Landschaft, einzig und allein unterbrochen durch vereinzelte Oasen die Leben möglich machen, war ein beeindruckender Anblick.

 

Auf dem Kamel in die Wüste

Auf dem Kamel in die Wüste

Das Highlight meiner Marokko-Reise sollte allerdings etwas anderes werden, nämlich eine Nacht in der Sahara. Mit Kamelen machten wir uns am frühen Abend auf in die Wüste. Der wackelige Ritt auf den Wüstenschiffen war schon ein unvergessliches Erlebnis. Es ging immer weiter hinein in die Sahara, vor und hinter uns nichts als Dünen und eine unendliche Weite, bis wir schließlich nach knapp zwei Stunden in der Ferne ein Zeltdorf erblickten – unsere Unterkunft für die Nacht! Beim Absteigen hatten wir etwas zittrige Beine. Bequem ist so ein Kamel nicht gerade, was der Muskelkater in den nächsten Tagen bestätigte. Aber alle Mühen waren beim Anblick des Sonnenuntergangs über dem rötlichen Saharasand schnell vergessen. Von gleißender Hitze wechselte die Temperatur abrupt in kühlere Bereiche, als die Nacht hereinbrach. Ich legte mich in den Wüstensand und vergrub meine Zehen darin, während ich den sternenklaren Nachthimmel beobachtete, wo deutlich die verschiedenen Sternbilder zu erkennen waren. Um mich herum war nichts als die Stille der Wüste und man war vollkommen mit sich und seinen Gedanken alleine. Ich hatte zudem das Glück in dieser Nacht einige Sternschnuppen zu sehen, was sie noch unvergesslicher und magischer machte. Mein Marokkoabenteuer neigte sich dem Ende entgegen, doch dieses Erlebnis würde ich nie vergessen.

Andalusien ist wahrlich eine traumhafte Gegend und auf jeden Fall eine Reise wert. Das gleiche kann ich auch über Marokko sagen. Nach jeder Reise freue ich mich aber doch wieder auf meine Rückkehr nach Cádiz – wo ich mich mittlerweile wie zu Hause fühle und sehr gute Freunde gefunden habe.

Ich bin sehr dankbar dafür, all diese tollen Erfahrungen machen zu dürfen und kann jedem nur empfehlen, ein Semester im Ausland zu verbringen. Letztendlich spielt auch nicht der Ort die wichtigste Rolle – denn es sind die Menschen, denen du begegnest, die dein Auslandssemester zu etwas ganz Besonderem machen!

Sonnenaufgang in der Sahara

Sonnenaufgang in der Sahara

 
Carina S.

Carina S. [Mitarbeiter]

Duale Studentin bei Thomas Cook AG
Seit September 2013 bin ich als duale Studentin bei Thomas Cook in der Studienrichtung Tourismusmanagement tätig. Die 3-monatigen Theoriephasen absolviere ich an der Frankfurt University of Applied Sciences. Durch den Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist das Studium sehr abwechslungsreich und die Verzahnung der beiden Bereiche erleben zu dürfen bereitet mir große Freude. Auch privat reise ich leidenschaftlich gerne, am liebsten mit dem Rucksack auf Aktivreisen! Ich fühle mich daher in der Touristik-Branche sehr gut aufgehoben, mit dem Wissen dazu beizutragen unseren Kunden ebenso schöne Reisen zu ermöglichen.
Carina S.

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