Auslandssemester in Cádiz, Spanien - ein andalusischer Traum!

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Cádiz? Schon mal gehört, aber wo liegt das überhaupt…?

So oder ähnlich haben einige im Kreis meiner Freunde und Familie reagiert, als ich bekannt gab, dass ich ein Auslandssemester in Cádiz, einer Stadt im Süden Spaniens an der Costa de la Luz, verbringen würde. Die andalusische Stadt an der Atlantikküste ist dank traumhafter Sandstrände ein beliebter Badeort bei Spaniern – und ganz nebenbei auch noch die älteste Stadt Europas. Und genau dort wollte ich meine 4. Theoriephase verbringen. Mittlerweile bin ich schon einige Zeit hier und freue mich noch jeden Tag darüber, diese Chance nutzen zu dürfen. Aber wie kam es eigentlich dazu?

Warum ein Auslandssemester und warum Cádiz?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich während meines dualen Studiums im Bereich Tourismus ein Semester im Ausland verbringen wollte. Ich war daher sehr dankbar, dass mir dafür von Beginn an Unterstützung seitens Thomas Cook zugesagt wurde, auf die ich bereits während der Vorbereitungen zählen konnte.

Auslandserfahrung ist für mich unglaublich wichtig. Während meiner Schulzeit habe ich bereits zwei Monate in Argentinien und ein Jahr an einer Schule in Brasilien verbracht. Ich kann daher bestätigen – wen einmal das Reisefieber gepackt hat, den lässt es so schnell nicht mehr los! Die Zeit damals war für mich unglaublich wertvoll und reich an Erfahrungen, an denen ich gewachsen bin. Solche Erfahrungen wollte ich auch gerne im Zuge eines Auslandssemesters sammeln und habe mich schließlich für Cádiz entschieden. Das lag zum einen an meinem Wunsch, in einem spanischsprachigen Land zu studieren und zum anderen daran, dass Cádiz eine Partneruniversität der Frankfurt University of Applied Sciences, kurz FUAS, ist und ein Auslandssemester dort mit dem Erasmus+ Programm gefördert werden würde. Außerdem stimmten die Semesterzeiten und Kurse der Universidad de Cádiz (UCA) weitgehend mit denen der FUAS überein.

Menschen aus aller Welt kennenlernen - für mich ein wichtiger Teil eines Auslandssemesters

Menschen aus aller Welt kennenlernen – für mich ein wichtiger Teil eines Auslandssemesters

Organisation in Deutschland

Allgemein kann man sagen, dass ein über Erasmus gefördertes Auslandssemester weniger Aufwand bedeutet als beispielsweise bei Universitäten in Übersee. Für die Bewerbung musste ich die nötigen Unterlagen zusammentragen und konnte drei Wunschuniversitäten angeben. Zu beachten ist lediglich, dass die Bewerbungsfrist bis zu zwei Semester im voraus beträgt. Man muss sich also frühzeitig Gedanken darüber machen, ob und wann man ein Auslandssemester machen möchte.
Die schwierigere Aufgabe bestand darin, passende Universitäten zu finden, deren Semesterzeiten mit denen der FUAS übereinstimmten und die zu den Kursen meiner Heimatuniversität äquivalente Kurse anboten. Mit dieser Aufgabe habe ich mir letztlich doch die eine oder andere Nacht um die Ohren geschlagen – was es aber auf jeden Fall wert war.

Und los geht’s…

Auf geht's nach Cádiz!

Auf geht’s nach Cádiz!

Am 09.02.15 war es dann endlich so weit. Von München ging es mit dem Flugzeug nach Jerez de la Frontera und von dort mit dem Zug weiter nach Cádiz. Beim Aussteigen vielen mir zwei Dinge auf:

  • Erstens: Die Menschen waren sofort unglaublich hilfsbereit und boten mir ihre Unterstützung an, als ich Schwierigkeiten hatte, schwer beladen mit meinem Gepäck aus dem Zug zu steigen. Dieser erste Eindruck sollte sich im Laufe des Auslandssemesters bestätigen.
  • Zweitens: Es war erstaunlich windig und daher ungemütlich kalt. Südspanien? Davon war im Februar noch nicht viel zu spüren… Dass mir auf einer Halbinsel der Wind schon mal um die Ohren pfeifen kann, war mir bewusst, aber diese nasse Kälte hat mich trotzdem überrascht. Auch dieser Eindruck sollte sich zumindest während der ersten Wochen bestätigen. In Andalusien haben die meisten Häuser keine Heizung, muss man wissen… Zum Glück war der Sommer nicht mehr weit!

Ich hatte mir für den Anfang ein Hostelzimmer gemietet, um von dort auf Wohnungssuche zu gehen. Dort habe ich auch gleich andere Erasmus Studenten kennen gelernt und somit erste Kontakte geknüpft. Die Wohnungssuche in den ersten Tagen war zwar stressig, aber zum Glück nicht besonders schwierig. In Spanien gibt es generell eher ein Überangebot an Wohnungen und die Preise in Cádiz sind auch niedriger als in Frankfurt, allerdings ist auch der Wohnstandard niedriger. So hatte ich in den ersten Tagen eine Besichtigung nach der anderen, bis schließlich ein Zimmer in einer 7er WG gefunden war. Dann ging das Organisatorische weiter. Es gab erste Infoveranstaltungen der Universität und ich musste meine Erasmus Koordinatorin finden, um mir von ihr mein Learning Agreement, das meine Fächerwahl beinhaltet, bestätigen zu lassen. Bei mir hat das zum Glück problemlos geklappt, allerdings war ich damit eher eine Ausnahme. Andere waren über Wochen hinweg auf der Suche nach ihrem Koordinator und wurden immer wieder vertröstet. Starke Nerven können also nicht schaden, bis man sich an die lockere andalusische Lebensart gewöhnt hat.

Carnaval - ein typischer Chor zieht durch die Straßen

Carnaval – ein typischer Chor zieht durch die Straßen

Wenige Tage nachdem ich mein WG-Zimmer bezogen hatte, begann der Karneval von Cádiz – die größte Karnevalsfeier ganz Spaniens. Die Stadt stand eine Woche Kopf und ich war mitten drin! Karneval bedeutet hier nicht nur bunte Umzüge durch die Straßen, sondern auch organisierte Gesangswettbewerbe von Chören unterschiedlicher Kategorien, die das ganze Jahr auf dieses Ereignis hinarbeiten. Mit ganz ausgefallen Kostümen und Choreographien und zumeist politkritischen Liedern traten die Chöre bis in die frühen Morgenstunden im Wettbewerb gegeneinander an. Hier nahmen Jung und Alt teil, Karneval verbindet die Generationen. Die Chöre stießen auf helle Begeisterung seitens der aus ganz Spanien angereisten Besucher. Ich war auch fasziniert von der gelebten Kultur und von dieser Art der Politkritik, die gerade zu Zeiten der Wirtschaftskrise sehr beliebt ist.

Das Unileben – das kommt mir irgendwie Spanisch vor…

Campus der UCA

Campus der UCA

Als schließlich meine Vorlesungen begannen, kehrte auch langsam Routine bei mir ein, wofür ich nach den vielen verschiedenen Eindrücken der ersten Tage sehr dankbar war. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass der Unialltag in Spanien mit dem in Deutschland nur schwer zu vergleichen ist. Das liegt zum einen daran, dass meine Uni sich in traumhafter Lage genau gegenüber des Strandes La Caleta befindet, wo beispielsweise der James Bond Film „Stirb an einem anderen Tag“ gedreht wurde. Damit kann das Frankfurter Nordend leider nicht ganz mithalten. Allerdings gibt es auch andere Unterschiede. Ich hatte fünf Kurse belegt und in Spanien ist der Arbeitsaufwand pro Kurs während des Semesters etwas höher als in Deutschland, was mit dem stark verschulten Unisystem zusammenhängt. Während in Deutschland die Note meist zu 100% von einer Klausur oder Hausarbeit bestimmt wird, setzt sich in Spanien diese Note aus mehreren Teilen zusammen. So muss ich zum Beispiel während meines Auslandssemesters in jedem Kurs mehrmals wöchentlich schriftliche Hausaufgaben abgeben und weitere Aufgaben online bearbeiten, welche ebenfalls benotet werden. Außerdem sind Gruppenarbeiten sehr beliebt, sei es in Form von Referaten oder Projekten. Zwischenprüfungen sind auch üblich. Was mich aber am meisten erstaunt hat, waren die Mitarbeitsnoten die auch zur Gesamtnote beitragen. Das Klischee vom entspannten Leben der Spanier kann ich also zumindest was die Uni angeht nicht bestätigen. Viele junge Spanier sind sehr engagiert und stark auf gute Noten bedacht. Das hängt mit der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien zusammen, die in Andalusien mit knapp 60% besonders hoch ist. Gute Noten sind also noch lange keine Garantie für einen Arbeitsplatz – aber eine unabdingbare Voraussetzung. Wer es hier nicht schafft, dem bleibt oft nur das Auswandern. Auch Deutschland wird dafür in letzter Zeit immer beliebter. So ist es nicht verwunderlich, dass einige junge Spanier damit beginnen Deutsch zu lernen.

Für mich steht jetzt erst einmal das Highlight eines jeden Tourismusstudenten an – das Reisen! Die nächsten Wochenenden sind schon gut ausgeplant mit Reisen nach Gibraltar, Córdoba, Granada… und auch nach Marokko! Natürlich werde ich auch darüber berichten und hoffe auch das ein oder andere Bild mit einem Gibraltaraffen oder vielleicht sogar einem Kamel zeigen zu können. 🙂

Bis zum nächsten Mal – oder wie man in Spanien sagt: „¡Hasta la próxima!“

Zu Teil 2 geht´s hier lang.

La Caleta Strand gegenüber der Uni

La Caleta Strand gegenüber der Uni

 

 
Carina S.

Carina S. [Mitarbeiter]

Duale Studentin bei Thomas Cook AG
Seit September 2013 bin ich als duale Studentin bei Thomas Cook in der Studienrichtung Tourismusmanagement tätig. Die 3-monatigen Theoriephasen absolviere ich an der Frankfurt University of Applied Sciences. Durch den Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist das Studium sehr abwechslungsreich und die Verzahnung der beiden Bereiche erleben zu dürfen bereitet mir große Freude. Auch privat reise ich leidenschaftlich gerne, am liebsten mit dem Rucksack auf Aktivreisen! Ich fühle mich daher in der Touristik-Branche sehr gut aufgehoben, mit dem Wissen dazu beizutragen unseren Kunden ebenso schöne Reisen zu ermöglichen.
Carina S.

Ein Kommentar

  • Elke A. sagt:

    Ich habe mein Auslandssemester auch in Cádiz gemacht. Auch wenn es inzwischen schon unglaubliche 10 Jahre her ist, denke ich immer gerne an La Caleta, Tapas, den unverwechselbaren andalusischen Akzent („De Cai, Picha!“), die UCA und vieles mehr zurück. Weiterhin viel Spaß und tolle Erfahrungen in Spanien, liebe Carina! Und lassen sie sich von den Gibraltaraffen nichts klauen 😉

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