Carnacha, Marzuelo, Tempranillo - Wein und Architektur Rioja Alavesas

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 31. Januar 2019 | Einblicke | Keine Kommentare

Mit einem lauten „Plopp“ zieht Simon Arina den Korken aus der Flasche. Der Vino de Garage hat nach zwölf Monaten im Barrique weitere acht Jahre in der Flasche gelegen, jetzt endlich kann der Wein atmen. Die geschulte Nase des Kellermeisters erkennt Aromen von Dörrbirnen und Kaffeebohnen – typisch für die Tempranillo-Traube. „Die Rebstöcke für diesen Wein sind durchweg 75 Jahre alt“, erklärt uns Simon – und gießt zwei Finger breit in die bereitgestellten Degustations-Gläser.

Wein seit der Römerzeit

Wir stehen in der Eingangshalle des Weinguts Baigorri in Samaniego, eine 303-Seelen-Gemeinde in der baskischen Provinz Álava. Seit der Römerzeit wird hier Wein angebaut. Im gemäßigten Klima der Region, im Süden vom Ebro begrenzt, im Norden von der mächtigen Sierra Cantabrica vor den kalten Atlantikwinden geschützt, gedeihen Tempranillo, Carnacha, Marzuelo vortrefflich. Von den Kellermeistern werden die mehr als 300 Weingüter zu Spitzenprodukten ausgebaut.

Viele von ihnen, wie die Bodega Baigorri, sind avantgardistische Meisterwerke der Architektur. Überdies sind sie auf einer Tour entlang der Weinstraße Rioja Alavesa zu besichtigen. Auf einem Hang im 500 Metern Höhe hat der baskische Stararchitekt Iñaki Aspiazu Iza ein sieben-stöckiges Gebäude aus Stahl, Glas und Beton erbaut. Es gräbt sich auf abschüssigem Gelände dreißig Meter in den Boden.

Außerdem dient ein würfelförmiger Glaspavillon als Eingang. Von diesem hat man eine phantastische Rundumsicht auf die schneebedeckten Hänge der Sierra Cantabrica. Außerdem auch auf das historische Samaniego mit seiner mächtigen Wehrkirche und die mit Rebstöcken bepflanzten Hügel. Die darunter liegenden Stockwerke dienen jeweils einem Produktionsschritt.

Pumpen und Pressen ohne Mechanik

Durch die vertikale Anordnung könne man die Schwerkraft bei der Produktion nutzen, so Simon. „Von der Anlieferung des Lese-Guts über die Selektion per Hand und dem Abbeeren bis zum Einfüllen der Trauben in die Gär-Tanks läuft alles ohne mechanisches Pumpen oder Pressen“. Dabei ist der Vorteil, dass die Haut der Trauben bis zum Gärprozess unbeschädigt bleibt. Eine Voraussetzung für eine optimale Qualität des Weines!

Während sich in der Kellerei Baigorri die Architektur der Weinproduktion unterordnet, steht in der nur neun Kilometer entfernten Bodega Ysios bei Languardia die Ästhetik im Vordergrund. Santiago Calatrava, der spanisch-schweizerische Bauingenieur und Künstler, hat hier einen modernen Weintempel hingepflanzt, der sich spielerisch in die Landschaft schmiegt. Staunend stehen wir vor einem silber glänzenden Dach, das sich auf 196 Meter wie die Wellen der nahen Biskaya vor dem Felspanorama der Sierra Cantabrica wiegt. Die kupferfarbenen Zedernholzwände glänzen in der Sonne. Am Eingang streckt sich eine Glasfront kathedralengleich in den Himmel – an ihrer Spitze eine dornige Silberkrone.

Bereits mit dem Bau des Guggenheim-Museums in Bilbao sorgte Frank Gehry für Furore. Dann entwarf er in Elciego die Ciudad del Vino: Die Stadt des Weins. Titan, das Lieblingsmaterial des kanadisch-amerikanischen Architektur-Stars, sorgt in dem Gebäude für faszinierende Lichteffekte. Wenn sich die baskische Sonne eindrucksvoll an der spektakulär gebogenen Fassade bricht, ist es ein sehenswerter Anblick. Überdies wird das Gebäude als Hotel, Gaststätte und Tagungszentrum genutzt.

 

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