Wels Rabbit, Cornfreaks, Happy Hauer: In Lokalen lauern weltweit Fettnäpfchen und Sprachfallen

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 10. Juli 2015 | Einblicke | Keine Kommentare

Damals in Wien: Es gab Kukuruz. Also Mais, was weltweit Mais, maize oder maiz heißt – nur in Österreich nicht. Dazu dampfte ein Stückerl Katzenhai auf dem Teller. „Hundefisch“, wie die Touristen dachten – nur weil auf der englischen Unterzeile der Speisenkarte völlig korrekt dogfish stand. Als Nachtisch nahmen sie in dem viel besuchten Heurigenlokal zudem nicht etwa Powidldatschgerln, sondern Black Pudding: Blutwurst, eingedickt in Rindertalg und Hafermehl – nach vier schweren Gängen bei 33 Grad Außentemperatur.

Fettnäpfchen lauern am Wirtshaustisch – und an den ungezählten Tafeln von Ferienhotels und Nobellokalen in aller Welt. Welsh Rabbit ist nun mal kein Kaninchenbraten – sondern ein überbackener Toast mit in Bier erhitzten Käsestückchen. Und Omelette norvégienne keine Eierspeise zum Frühstück, sondern – gleich Zuppa inglese – ein besonders feiner Nachtisch.

welsh rabbit (c) wikipedia J Beaumadier

welsh rabbit © wikipedia J Beaumadier

 

Das gilt auch für Gooseberry fool, was nichts mit dummen Gänsen zu tun hat – sondern ausschließlich mit der zu Mus verarbeiteten Stachelbeere. Was dagegen Laverbread Cake (Törtchen aus püriertem Seetang, mit Hafermehl gebunden und in Schweineschmalz angebraten) ist, weiß wahrscheinlich nicht einmal Schuhbeck oder Lafer.

Eher zu vernachlässigen sind auch nähere Kenntnisse über Pasta alla puttanesca – Nudeln nach Hurenart mit Sardellen, Oliven, Kapern, Tomaten, Knoblauch, Chili und Petersilie.

Puttenesca

© wikipedia Rainer Zenz

 

Was sich hinter einer Tortilla francesa versteckt, muss man allerdings wissen – zumindest in Spanien. Und dass dort Coca keine Limonade ist, sondern ein – mit Fisch, Fleisch oder Gemüse – belegter Fladen, erweist sich unterwegs ebenso als nützlich.

Besonders mühsam gerät das Studium der Speisenkarten im Lande von Bocuse & Co (Paul Bocuse = französischer Koch). Mitunter spielen sich dabei geradezu stille Dramen ab – und zwar meist dann, wenn forsch nach Gutdünken bestellt wird.

Restaurant in Paris © wikipedia Besopha

Restaurant in Paris © wikipedia Besopha

 

Tripes à la mode de Caen bleibt nun mal – auch wenn es sich viel feiner anhört – ein schnöder Eintopf aus Kutteln in Apfelmost. Und Tripoux sind Lammfüße, mit Hammeldarm umwickelt. Richtig zu kauen hat, wer Curette à crustacés ordert – es sind keine Leckereien aus dem kalten Meer der Bretagne, sondern schmale Gäbelchen zum Auskratzen von Krustentieren.

Tripe à la monde de Caen

Tripe à la monde de Caen

 

Natürlich halten auch die Küchenmeister der Grande Nation die deutsche Pellkartoffel hoch, die dort aber reichlich vornehm daherkommt – als Pommes de terres en robe de champs.

Pommes de terres en robe champs

Doch nicht nur Touristen verheddern sich. Vielfach langen auch Wirte daneben, etwa wenn sie Urlauber zur Happy Hauer bitten – ins Deutsch Bräuhaus. Auch finden sich auf ihren Speisenkarten schon mal Cornfreaks, Schwerfisch oder Tomatensoße mit Kapriolen – und Gnocchi geraten zu Kartoffelknochen.

Oft übersetzen Gastronomen auch direkt aus dem Wörterbuch. Dann wird aus dem Turkey die Türkei – und aus Nuts with whipped cream Verrückte mit gepeitschter Sahne. Auch die Verwendung des Begriffs Mushrooms führt gelegentlich zu Irritationen: Das Substantiv ist nicht nur als Verb verwendbar, sondern ersetzt an Szene-Stränden vielfach auch das Bier zum Feierabend.

Besondere Blüten am Essenstisch treibt, auf Millionen Speisenkarten im fernen Reich der Mitte, „Chinglish“: Saliva chicken, Hühnchen in Spucke, findet sich da oder Husband and wife lung slice, Lungenstück von Mann und Frau – und Beep Burger, also Piepsburger.

Chinesisches Restaurant © wikipedia Pete Steward

Chinesisches Restaurant © wikipedia Pete Steward

 

Weltweit einmalig aber ist die Carta des Los Cabales in Madrid – mit Tapferen Kartoffeln, Geheiltem Sattelschlepper und Lende von Spazierstock.

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