Goldenes Laos: Eine Reise durch das ruhige Paradies

von Hanna E. | mehr Artikel von | 17. August 2017 | Aus der Ferne | Keine Kommentare

Es ist der einzige Binnenstaat Südostasiens. Und doch spielt das Wasser ein große Rolle: Der Mekong fließt als Lebensader über 1.865 Kilometer durch den kleinen, dünn besiedelten Staat. Zwei Drittel der Fläche von Deutschland umfasst die Volksrepublik Laos. Doch mit rund sieben Millionen Menschen zählt sie nicht einmal ein Zehntel der Einwohner der Bundesrepublik. Der Buddhismus ist hier allgegenwärtig – und durchdringt den gesamten Alltag.

Das heißt auch: Ein Leben mit weniger Stress und Hektik, als wir es kennen – alles wirkt friedlich und mitunter auch ein wenig verträumt. Welchen Einfluss der träge dahin fließende Mekong, der auf fast 5.000 Kilometern Länge als „Mutter aller Wasser“ sechs Länder streift, auf die Lebensweise hat, realisiere ich gleich zu Beginn der Reise durch das seit 40.000 Jahren besiedelte Land. Wir sitzen in einem Restaurant auf der Terrasse, die auf Stelzen in den Fluss ragt. Es ist noch früh, angenehm warm, die Luft ist feucht – und duftet nach Tropen. Vogelgezwitscher, ansonsten Stille. Der Mekong ist lehmig braun und fließt so langsam, als wäre das Wasser zähflüssig.

Gefühlt mit dergleichen Geschwindigkeit kommt irgendwann die Kellnerin herbei geschlendert. Ihre Bewegungen, ihre Sprache, ihre gesamte Ausstrahlung scheinen sich dem Fluss angepasst zu haben. Und damit ist sie nicht allein. Jeder Versuch, ihr mehr Tempo abzuverlangen, scheitert. „Warum?“ fragt sie und lacht unbekümmert. „Dein Schiff wird warten.“

Wo Gelassenheit Alltag ist

„Schau auf das Wasser“, sagt Dii Noi, unsere Reiseführerin. „Konzentriere Dich auf das Fließen, nimm den Duft der Blüten und das Singen der Vögel wahr.“ Ich folge – leicht amüsiert – ihren Worten und entspanne mich. Eine innere Trägheit legt sich auf mein Gemüt und fühlt sich gut an. Plötzlich wirken die Menschen um mich herum nicht mehr so zeitlupenhaft. Und natürlich kann ich auch meinen Kaffee noch in Ruhe vor Abfahrt unseres Mekong-Dampfers trinken.

Die Fahrt führt uns von der Hauptstadt Vientiane den Mekong hinauf nach Luang Prabang, der einstigen Hauptstadt des um 1350 entstandenen Königreiches Lan Xang – aber auch des französischen Protektorats, das ab 1893 rund 60 Jahre währte. Die Landschaft wird immer bergiger, die Flussufer sind üppig bewachsen. Auf kleinen Lichtungen stehen Bambushäuser auf Stelzen. An einer Anlegestelle gehen wir an Land und sind sofort von neugierigen Kindern umringt. „Sabaidii, sabaidii“, tönt es uns entgegen, laotisch für „Guten Tag“.

Goldstaub als Souvenir

Mangels weiterer Kommunikationsmöglichkeiten nimmt mich ein etwa achtjähriges Mädchen an die Hand und zieht mich zu einem kleinen Strand. Dort kauern bunt gekleidete Frauen am Boden, die alle die gleichen schwingenden Bewegungen vollführen, um mit großen tellerartigen Sieben den Sand zu durchfiltern. Und schon hält mir die Kleine an meiner Seite eine Hand voll Sand vor die Augen. Er glitzert von tausenden winzig kleinen Goldpartikeln.

Interessiert schaue ich den Frauen über die Schulter. Sie waschen Gold aus, und zwar in kleinsten Mengen. Was für eine Arbeit! Doch sie freuen sich offenbar über mein Interesse. Lachen, reden durcheinander, bestaunen meine hellen Haare und meine weiße Haut. Dann streckt mir eine zerbrechlich wirkende ältere Dame eine kleine Bambusdose entgegen. Ich soll sie öffnen und sie füllt Sand hinein. Von einer Stelle, wo er besonders schön glitzert.

„Sie wünscht, dass er Dir Glück bringt“, übersetzt Dii Noi, die mich zur Weiterfahrt holt. Alle winken uns fröhlich zu, als unser Schiff – ganz langsam – ablegt. Den Goldstaub-Sand habe ich noch immer.

 
Hanna E.

Hanna E. [Administrator]

Seit Februar 2016 verantworte ich bei Thomas Cook als Online Redakteurin im Bereich Content Marketing die Blogs des Unternehmens. Doch mit dem Reisen verbindet mich nicht nur meine Arbeit, sondern auch meine private Leidenschaft für fremde Kulturen, atemberaubende Landschaften und exotische Gerichte. Obwohl ich bereits in China, Italien und England gelebt habe, nutze ich auch heute noch jede Möglichkeit um Neues zu entdecken.
Hanna E.

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