Machu Picchu: Sonnenkult und Nebelschwaden

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 7. Dezember 2017 | Aus der Ferne | Keine Kommentare

Weltberühmt: Machu Picchu – die terrassenförmige Ruinenstadt in Peru. Wer die einstige Metropole des Inkareiches besucht, geht am besten von Aguas Calientes zu Fuß: So ist man dem Geist der früheren Bewohner ganz nah.

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„Mindestens 40 Grad“, sagt Enzo schmunzelnd – und gibt den Blick auf eine dampfende Wasseroberfläche frei. Genüsslich lasse ich mich hineingleiten – endlich nicht mehr frieren! „Kalttropen“ nennt man das hier: hohe Feuchtigkeit, üppige Vegetation, aber keine tropische Hitze. Und nein, ich sitze nicht in einer Badewanne, sondern in einer der heißen Quellen von Aguas Calientes – im Urubambatal in Peru, 2090 Meter hoch in den Anden, 1,5 Kilometer entfernt von Machu Picchu, den mystischen Ruinen der im 15. Jahrhundert erbauten Inka-Stadt.

Aguas Calientes – Ort der heißen Quellen

Steile Felswände und dichter Nebelwald umgeben den Ort. Bis hierher fährt die Schmalspurbahn aus Cusco, eine Straßenverbindung gibt es nicht. 2000 Menschen sollen hier wohnen, nur wo? Ich sehe nichts als Touristen, Hotels und Restaurants. Kein Wunder, wer nicht die abenteuerliche Wanderung über den Inka Trail wählt, kann nur über Aguas Calientes nach Machu Picchu gelangen. Eine Serpentinenstraße führt hinauf auf den Berg, auf dem sich von hier nicht einmal der Hauch von etwas Spektakulärem erahnen lässt. Zehn Minuten braucht der Bus. „Aber wir müssen zu Fuß gehen“, sagt Enzo, der junge Mann aus Cusco, der mit dem Geld aus solchen Führungen sein Jurastudium und seine Familie finanziert. „Nur dann kannst Du den Geist der Inka spüren.“

Der Geist der Inka – in dünner Luft

Wir brechen früh auf, die Luft riecht feucht und frisch, Nebelschwaden hängen in den Bäumen. Uns begleitet das laute Rauschen des Rio Urubamba, der hier wild ist und viel Wasser führt. Aber statt den Serpentinen zu folgen, biegen wir auf einen unscheinbaren Pfad ab, der nach wenigen Metern schmaler wird und schließlich in Naturstufen mündet. Von nun an geht es geradewegs steil bergauf – Machu Picchu liegt auf 2430 Metern Höhe.

Ich kämpfe ein wenig mit der dünnen Luft. Immer, wenn wir ein Teilstück geschafft haben, überqueren wir die Serpentinenstraße. Noch ist es menschenleer, das Rauschen des Flusses wird leiser, der Weg schmaler – und steiler. Und dann tauchen wir in die wabernden Nebelschwaden ein. Stille um uns herum. Ein Gefühl, als hätten wir die Welt hinter uns gelassen.

Machu Picchu – eine Stadt und ihr Berg

Unerwartet und irgendwie übergangslos treten wir oberhalb der Nebelschwaden aus dem Wald heraus. Der Anblick trifft mich wie ein Schlag: Machu Picchu! Majestätisch, erhaben, wunderbar – kein Foto kann diesen ersten Augenblick wiedergeben.

Endstation Machu Picchu: Diese Zugfahrt ist definitiv ein unvergessliches Erlebnis. Die Strecke führt durch kleine Dörfer und entlang überwältigender Berge bis nach Aguas Calientes.
Du wolltest schon immer mal ein Lama in freier Natur sehen? Bei einer Wanderung in den Bergen Perus wirst du bestimmt ein Lama entdecken.
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Die Ruinenstatt Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert von den Inkas in 2.430 Metern Höhe erbaut.
                                                                                                                 Photo by Pedro Lastra on
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An den Straßen Cuscos bieten viele Einheimische frisches Obst zum Verkauf an.
                                                                                                                  Photo by Peter Hershey on
Unsplash

Ich weiß nicht, wie lange ich bewegungslos dagestanden habe. Kein Wort, kein Gedanke mehr in meinem Kopf, alles andere bedeutungslos – ich spüre nur die Gänsehaut und eine nahezu greifbare Energie, die von diesem Ort ausgeht. Dies ist definitiv mehr als einfach nur eine Ruinenstadt. Umgeben von exakt angelegten Terrassenfeldern gehen wir ein Stück auf dem alten Inka-Pfad vom Sonnentor in die Stadt hinein. Die Tempel, Häuser, Wege, Treppen, Brunnen und Wasserkanäle sind zum Teil so gut restauriert, dass man förmlich spüren kann, wie die Menschen hier gelebt haben. Machu Picchu wurde verlassen, nicht zerstört.

Quetchua – die Sprache der Inka

Die Stadt liegt sehr versteckt zwischen den Bergen Huayna Picchu, was auf Quetchua, der Sprache der Inka, „junger Gipfel“ bedeutet, und Machu Picchu, dem Quetchua-Wort für „alter Gipfel“, nach dem sie nach ihrer Wiederentdeckung benannt wurde. Der ursprüngliche Name ist unbekannt. Die damals völlig überwucherten Ruinen wurden 1911 von dem amerikanischen Historiker und Archäologen Hiram Bingham wiederentdeckt, der eigentlich nach Vilcabamba, der letzten Zufluchtsstätte der Inka, gesucht hatte.

Wir stehen auf einer Anhöhe an der Sonnenuhr von Machu Picchu, die auf Quetchua „Intihuatana“ heißt. „Die Inka verehrten Inti, die Sonne, als Gottheit“, erklärt mir Enzo. Den Sonnenkult gibt es nicht mehr, aber Quetchua wird noch heute von den Bewohnern der Anden in Peru und Bolivien gesprochen. Ich genieße noch eine Weile den grandiosen Blick und die überaus mystische Atmosphäre, bevor sich die Anlage mit Touristen füllt. Machu Picchu ist für mich sehr viel mehr als nur eine Touristenattraktion. Als ich dies Enzo erkläre, sagt er nur: „Du musst nach Vilcabamba gehen.“ Und das werde ich.

 

 

 
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