Die höchsten Berge der Welt & noch mehr: Rundreise durch Nepal

von Sabine Wismet | mehr Artikel von | 26. Juni 2014 | Aus der Ferne | 3 Kommentare

Zugegebenermaßen erntete ich schon ein paar zweifelnde Blicke als ich Freunden und Kollegen von meinem nächsten Reiseziel erzählte. Es ist zwar allen als Heimat des höchsten Berges der Welt bekannt, aber nun doch etwas außergewöhnlich als Urlaubsdestination: Nepal!

Ein Rundreiseangebot für „Young Traveller“ hat mich zu dieser Reise geführt. Offiziell galt das Angebot bis 35 Jahre, in unserer 25-köpfigen Reisegruppe mit Reiseteilnehmern aus ganz Deutschland bis 40 habe ich mich total wohl gefühlt. „Trekking und Rafting in Nepal“ kombiniert mit kulturellen und anderen landschaftlich reizvollen Programmpunkten hörte sich einfach zu verlockend an.

Der eine Teil der Gruppe startete von München aus. Wir flogen von Frankfurt nach Muskat im Oman und weiter nach Kathmandu. Wer Glück mit seinem Sitzplatz hatte, hatte bereits beim Landeanflug einen atemberaubenden Ausblick auf den Himalaya.

Königsstädte im Kathmandu-Tal

Vor dem Terminal erwarteten uns bereits Rakesh, unser einheimischer Guide für die nächsten zwei Wochen. Außerdem stand unser Bus samt Fahrer und Beifahrer und ein Gepäckwagen + Fahrer bereit. Und schon stürzten wir uns ins Getümmel auf den Straßen von Kathmandu, auf zu unserem Hotel mit dem einprägsamen Namen „Himalaya“. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Zimmer (geräumig, sauber und mit tollem Blick über Kathmandu – was will man mehr!) ging es dann weiter zum Abendessen und gegenseitigen Kennenlernen in einem der vielen Trekkingrestaurants. Dort gab es zwar auch europäisches Essen, aber wir wagten uns schon mal an nepalesische Sachen heran, damit sich die Mägen so langsam an das etwas andere Essen gewöhnen konnten.

Am nächsten Morgen tauchten wir zu Fuß ein in die quirlige Hauptstadt Nepals. Die Begegnungen mit den Menschen waren schon sehr faszinierend – für beide Seiten. Als wir zu viert (Marco, Cindy, Janine und ich) eine kurze Pause auf einer Mauer einlegten, wurden wir von einem älteren Nepali längere Zeit bestaunt. Vor allem Marco erntete einige bewundernde Blicke… Und eines muss ich sagen, Bettelnde – egal ob groß oder klein – sind uns in all der Zeit in Nepal trotz der Armut, nicht oft begegnet und selbst wenn, war es nie aufdringlich. Die Kinder grüßten uns fast überall mit strahlenden Augen und dem in Nepal typischen „Namaste“ inklusive dazugehöriger Geste mit kleiner Verbeugung.

Nepal_Menschen
Nach der Besichtigung des Durbar Square, Hauptplatzes der Stadt mit seinen vielen Tempeln und Pagoden und angrenzendem Königspalast, fuhren wir nach Patan, der zweiten Königsstadt im Kathmandu-Tal. Auch der dortige Durbar Square mit seinen Tempeln war voller Leben. Ein Durcheinander von Touristen und Einheimischen und heiligen Tieren wie Tauben und Kühen. Wir waren nun angekommen in dieser so anderen Welt. Der nächste Tag startete mit der Besichtigung der Opferstätte Dakshinkali, gleichzeitig einer der Haupttempel in Nepal. Wir waren froh, dass die meisten Hindus Kokosnüsse opferten, aber auch ein paar Hühner ließen vor unseren Augen für den heiligen Zweck ihr Leben. Und schon ging es weiter zum nächsten Tempel, dem Stupa in Bodnath. Nach den engen und quirligen Tempelanlagen in Kathmandu und Patan zog uns die Weite und vergleichsweise Ruhe dieses buddhistischen Heiligtums ganz schnell in seinen Bann.

Von mehreren ansteigenden Terrassen umgeben, befindet sich in der Mitte des Platzes die hoch aufragende, goldene Statue mit Buddhas Augen auf allen vier Seiten. Die Gläubigen umrunden auf den verschiedenen Ebenen die Stupa und drehen dabei betend die Gebetsmühlen.

Nepal Stupa Patan
Auf zum Rafting!

Am nächsten Tag stand Rafting auf dem Programm. Auf der „Autobahn“, die sich – kaum breiter als eine deutsche Landstraße – Richtung Westen durch die Berge schlängelt, näherten wir uns dem Trisuli-Fluß und stellten fest, dass das oberste Autofahrer-Motto in Nepal ist: Ich hupe, also bin ich. Denn vor einem Überholmanöver wird kurz gehupt und wenn doch Gegenverkehr kommt muss dieser eben bremsen und ausweichen. Aber: Es funktioniert!

Unsere Schlauchboote und Guides warteten bereits auf uns. Schwimmwesten und Helme angezogen, ausführliche Einweisung in die Kommandos und schon ging’s los: Durch die Stromschnellen paddelnd, zwischendrin ganz relaxt die vorbeiziehende Landschaft genießend und an ruhigen Stellen im Nass Abkühlung suchend. Am Abend stand unsere einzige Zeltübernachtung der Reise an und –wie sollte es anders sein – kaum am Lagerplatz mit den aufgebauten Zelten angekommen, schüttete es wie aus Eimern und Tischtennisball große Hagelkörner prasselten auf uns hinab. So wurde das Abendessen zu einer feucht-fröhlichen Angelegenheit im schnell aufgebauten Essenszelt. Dank des Einsatzes unserer Guides, die schnell noch Abflussrinnen um unsere Zelte gruben – trotz Hagel – ausgestattet mit ihren Raftinghelmen – blieb unser Zeltinneres trocken.

Nepal Rafting
Chitwan Nationalpark – ganz anders als erwartet

Nach erneutem Rafting und anschließender Busfahrt in den Süden Nepals erwartete uns eine andere Welt – eine Welt, die wahrscheinlich wenige in Nepal erwarten würden. Nicht weit von Indiens Grenze liegt der Chitwan Nationalpark auf einer Höhe von „nur“ 200 Meter über dem Meeresspiegel. Dort findet man Urwald und Savannenlandschaft mit Elefanten, Nashörnern, Tigern und vielen weiteren faszinierenden Tieren in einem tropischen Klima. Bei einer kleinen Wanderung in den Sonnenuntergang sogen wir das satte Grün dieser Landschaft und die Farbenspiele am Himmel und im Wasser in uns ein und freuten uns auf die Abenteuer der nächsten Tage.

Nepal Chitwan NationalparkFrüh aufstehen hieß es am nächsten Tag, doch das sollte sich lohnen. Auf dem Rücken der größten lebenden Landtiere durchquerten wir den Dschungel und konnten so viele Tiere aus nächster Nähe sehen, die sonst längst vor uns Menschen Reiß aus nehmen würden. Das ist schon eine ganz besondere Art der Fortbewegung – manchmal etwas schauklig, vor allem wenn die Elefanten einen kleinen Zwischensprint hinlegen, aber immer eine sehr intensive Art diese Dschungellandschaft im Süden von Nepal zu erkunden.

Und wer wollte, konnte sich im Anschluss nochmal auf den Rücken eines dieser Tiere begeben und wurde dann mit einer Rüsselladung voll Wasser nass gespritzt. Ein nasses und doch einzigartiges Gefühl!

Nepal Chitwan NationalparkAls Dankeschön bekam der Elefant von uns ein kleines Wellnessprogramm mit Schlammpackung. Stilecht ging es dann auf Ochsenkarren zurück zum Hotel. Nachmittags stürzten wir uns zu Fuß in den Urwald. Nur mit Stöcken bewaffnet führten uns unsere Guides bis auf wenige Meter an Nashörner in freier Wildbahn heran. Die Erklärung, dass Nasshörner schlecht sehen und man in der Not einfach schnell auf den nächsten Baum klettern sollte, beruhigte uns nur minimal 😉 Weiter streiften wir durch diese grüne, faszinierende Landschaft von Vogelgezwitscher, Geraschel in den Büschen und auch einmal von einem Tigerbrüllen begleitet, durch wechselnde Vegetation mit Blicken über eine weite Ebene bis nach Indien. Pünktlich zum Sonnenuntergang überquerten wir über einen Baumstamm balancierend einen Fluss und verließen damit den Chitwan-Nationalpark in Richtung unseres Hotels.

Nepal ChitwandNach einer frühmorgendlichen Floßfahrt auf dem gleichen Fluss mit besten Lichtverhältnissen und vielen schönen Vögeln zum Fotografieren war es dann an der Zeit uns vom tropischen Süden zu verabschieden und uns ins „richtige“ Nepal aufzumachen – Richtung Norden, Richtung Himalaya.

In den Bergen des Himalaya-Gebirges

Und schon wieder hieß es früh aufstehen – diesmal richtig früh. Denn wir wollten den Sonnenaufgang „von oben“ sehen und dafür musste erst noch ein kleiner Berg bestiegen werden. Also um halb fünf raus aus den Federn und 20 Minuten hoch hinaus. Doch es sollte sich lohnen. Auch wenn sich die richtig hohen, schneebedeckten Gipfel Nepals hinter einem Nebelschleier versteckten, erwartete uns ein spektakulärer Sonnenaufgang.

Nepal_SonnenaufgangNach einem zweitägigen Zwischenstopp in Pokhara, der Trekking-Hauptstadt Nepals, mit Zeit zur freien Verfügung, die wir in einer kleinen Gruppe u.a. zur Überquerung des Phewa-Sees und anschließender kleiner Wanderung hoch zum World-Peace-Stupa nutzen, hieß es dann endgültig: Himalaya wir kommen! Okay, ganz hoch hinaus wollten wir dann doch nicht. Aber es ging immerhin ins Vorgebirge des Annapurna-Massivs mit spektakulären Ausblicken auf die Sieben- und Achttausender. Ein schlechtes Gewissen hatten wir schon als wir das erste Mal unsere Träger sahen, die fünf bis sechs unserer Reisetaschen, verpackt in großen, wasserdichten Taschen schulterten und dann zum Teil in Flipflops losmarschierten. Begleitet wurde unsere Gruppe zusätzlich von mehreren Sherpas, die sich jeweils dem Tempo der einzelnen Teilgruppen anpassten und uns den Weg zeigten.

Über viele steile, unebene Stufen ging es bergauf und bergab die nächsten Tage, vorbei an Reisfeldern und einfachen Hütten und zwischendrin mit faszinierenden Blicken auf die gletscherbedeckten Gipfel des Annapurna-Gebirges.

Nepal Annapurna GhandrukEin Highlight war am Ende des zweiten Tages ein warmes Bad und eine warme Dusche, die wir uns in einer heißen Quelle gönnen konnten. Das war den 45-minütigen Abstieg und anschließenden Wiederaufstieg zu unserer einfachen Herberge absolut Wert. In dieser Landschaft wird einem zum einen bewusst, welch faszinierende und fast unberührte Landstriche es auf dieser Erde noch gibt, aber auch welch ein privilegiertes Leben wir in Europa doch führen. Die Menschen leben dort oft zwei bis drei Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Alles was sich nicht vor Ort anbauen oder züchten lässt, wird auf dem Rücken der Menschen durch die Berge in die kleinen Ansiedlungen transportiert. Da überlegt man zweimal, ob man sich unbedingt eine Cola aus der Glasflasche gönnen möchte oder nicht doch beim (sehr leckeren) Zitronentee bleibt. Auch das relativ einfache Essen bestehend aus Reis, Karotten, Blumenkohl, Bohnen und manchmal Kartoffeln und Hühnchen passt in diese Umgebung. Ein Fünf-Sterne-Hotel mit Vier-Gänge-Menü wäre hier irgendwie fehl am Platz.

Nepal Annapurna-MassivDie Wanderungen in Nepal ohne irgendwelche Lärmquellen durch abwechslungsreiche Landschaften, im Grünen, über Steine, in Täler hinein, an kristallklaren Flüssen entlang und über zum Teil abenteuerliche Brücken darüber weg, an Wasserfällen vorbei und wieder hoch hinaus auf den nächsten Berg immer umgeben von den höchsten Gipfeln der Welt machten den Kopf frei und vor allem so viel Lust auf mehr!

Der Mount Everest von oben

Nachdem wir uns vier Tage lang zu Fuß die Himalaya-Gipfel von unten angeschaut hatten, wollten wir uns die Chance nicht entgehen lassen, uns diese auch von oben anzusehen. Also ging es – zurück in Kathmandu – vom dortigen nationalen Flughafenterminal mit einer kleinen Propellermaschine auf in die Lüfte. Unser Ziel: kein geringerer als der Mount Everest. Und wir wurden nicht enttäuscht. Der Blick auf den höchsten Gipfel der Welt und das ihn umgebende riesige Himalaya-Gebirge war einfach atemberaubend!

Mount Everest

Dritte Königsstadt im Kathmandu-Tal: Abschluss der Rundreise durch Nepal

Der Besuch der zweiten buddhistischen Stupa, auch Monkey Temple genannt, aufgrund der auf seinem Gebiet lebenden Affen, der Tempelanlage Changunarayan und von Bhaktapur, der dritten Königsstadt im Kathmandu-Tal bildeten den kulturellen Abschluss unserer zwei Wochen in diesem vielseitigen Land.

Nepal Monkey Temple

Beim letzten Blick zurück auf Kathmandu und den Himalaya aus dem Flieger in Richtung Heimat stand für mich vor allem eines fest: Ich werde wiederkommen!

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Sabine Wismet

Sabine Wismet [Mitarbeiter]

Kaufmännische Leiterin Eigenvertrieb
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3 Kommentare

  • Tobias Voigt sagt:

    Toller Bericht, der wahrlich Lust macht auf dieses unberührte Stück Natur jenseits des kommerziellen Alpinismus. Wo kann man die Reise genau buchen?

    • Sabine sagt:

      Danke für das Lob! Ja, Trekking in Nepal war schon ein besonderes Erlebnis. Die Reise und viele weitere Reisen nach Nepal können in jedem Thomas Cook Reisebüro gebucht werden – per Mail, telefonisch oder persönlich – Top-Beratung inklusive. Das nächste Reisebüro findet man unter: http://www.thomascook.de/reisebuero/

  • Sabine Kober sagt:

    Das ist ja ein super genialer Reisebericht, die Fotos sind einfach traumhaft. Das hört sich nach einer ganz faszinierenden Reise an, an die man sicherlich noch ganz langer zurück denken wird.
    Ganz toll und mit viel Herzblut geschrieben. Vielen Dank für diesen wundervollen Bericht.

    Sabine Kober

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