Johannesburg Sehenswürdigkeiten | Städtereise auf Mandelas Spuren

von Nina K. | mehr Artikel von | 14. Dezember 2013 | Aus der Ferne | Keine Kommentare

Was, du fliegst nach Johannesburg? Warum? Dort ist es doch total gefährlich! Das ist der einzige Kommentar meiner Freunde zu meinen Reiseplänen nach Johannesburg. In Südafrika angekommen und nach den ersten Walking Touren durch Stadtteile wie Newtown und Maboneng kann ich dieses Vorurteil verneinen: Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Jozi, wie Johannesburg liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird, ist wunderschön und definitiv eine Reise wert. Allein auf den Spuren von Nelson Mandela zu wandeln, die er in Johannesburg hinterlassen hat, ist eine tolle Erfahrung.

MabonengUm einen ersten Überblick von der Stadt zu bekommen, bietet sich die zweistündige Hop On / Hop off Red Bus Tour im offenen Doppeldeckerbus für elf Euro an. Von den vielen Tipps inspiriert, geht es dann in das aktuell coolste Viertel von Jozi: Nach Maboneng. Mich erinnert Maboneng mit seinen außergewöhnlichen Galerien, coolen Cafés und riesigen Hauswand-Gemälden sofort an meinen Lieblings-Stadtteil in Berlin: An Berlin-Mitte.

Ein guter Startpunkt für eine Maboneng-Tour ist das Künstlerzentrum „Arts on Main“: Dort heißt es für Shopping-Fans dann auch gleich einen kühlen Kopf bewahren: Denn bei der schicken Kleidung von jungen Designern und fantasievollen Wohn-Accessoires entbrennt leicht die Kauf-Leidenschaft.Guide BhekiAber zum Shoppen ist jetzt keine Zeit: „Let‘ s move on guys“, treibt uns unser Stadtführer Bheki Dube an. Bheki ist in Maboneng geboren und ist mit seinen 22 Jahren der jüngste Unternehmer des Viertels.

Bei Bhekis Stadttouren gibt es viele Blicke hinter die Kulissen. „Come on, es gibt noch viel zu sehen“. Zum Beispiel einen Chevrolet, der zu einem Café mit Frozen-Joghurt-Spezialitäten umgebaut wurde.

Stadttour durch JohannesburgOder das jüngst eröffnete Ausstellungszentrum Moad mit Kunstwerken aus Afrika. Früher wurden in dem Gebäude Autos repariert. Unsere Fotoapparate sind bei den vielen tollen Ausstellungsstücken im Dauerstress. Auch Hotels gibt es in Maboneng schon. Für den kleinen Geldbeutel das coole Backpacker-Hotel Curiocity, in dem Bheki Managing Partner ist. Sein nächster Plan für das Backpacker-Hotel: Zeltmöglichkeiten auf dem Dach, um Jozis Sternenhimmel ganz nah zu sein. Auch dieses Projekt dürfte nicht das letzte des quirligen Johannesburgers sein: Im Frühjahr reist Bheki nach Berlin, um sich für weitere Ideen inspirieren zu lassen. Was für ein Zufall!

Unsere Station am nächsten Tag: Das Historische Zentrum von Johannesburg (Historic Core). Unser Gästeführer heute kennt seine Stadt genauso gut wie Bheki am Tag zuvor. Gerald Garner liebt die Stadt von ganzem Herzen und hat so auch schon mehrere Travel Books verfasst.Gerald_Walking ToursGerald weiß alles über Jozi. Über die Zeit der Goldgräber, an welcher Stelle der größte Diamant der Welt einem britischen Boten zum Transport nach England übergeben wurde und über den Beginn der Rassentrennung. Und Gerald kennt viele Details über die Geschichte Mandelas in Johannesburg. In Jozi gründete Mandela mit seinem Freund Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas. Und in Jozi war Mandela, wie viele andere politische Häftlinge, mehrere Jahre im Gefängnis von Constitution Hill inhaftiert. Gerald führt uns zur alten Kanzlei von Mandela: Das Gebäude wurde saniert und im unteren Teil ist ein Mandela-Museum untergebracht. Vor der Tür bewundern wir die riesige Statue, die Mandela bei seinem Lieblingssport – dem Boxen – zeigt.  Später besuchen wir noch das Gefängnis Old Fort Prison in Constitution Hill. Neben Mandela war auch Mahatma Gandhi dort politischer Häftling.

Johannesburg Constitution Hill_GhandiAm nächsten Tag tauchen wir viel tiefer in die Geschichte ein: Johannesburg ist eine „Goldgrube“ für jeden, der wissen möchte, wie menschliche Urahnen ausgesehen haben. Wir starten im Johannesburger Museum Origins Center. Wie sahen die ersten Werkzeuge aus, die die Urmenschen vor vielen Millionen Jahren herstellten, was sind die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Migration der Urmenschen? Besonders spannend: Von 15 in Afrika gefundenen Schädeln sind Repliken im Museum hinterlegt, damit die Besucher ganz konkret interessante Details sehen können. Beispielsweise woran man erkennt, dass die Fortbewegung auf zwei Beinen erfolgt sein muss.

Sterkfontein CavesNach diesem perfekten Einstieg in die Geschichte der Menschheit fahren wir zu einer der berühmtesten Ausgrabungsstätten der Welt: Zu den Sterkfontein-Höhlen, die nur rund 90 Minuten Fahrzeit von Johannesburg entfernt sind: Diese „Wiege der Menschheit“ (Cradle of Humankind) ist so faszinierend, dass uns die Ernennung zum Weltkulturerbe überhaupt nicht wundert. Wir sehen die Skelette unserer menschlichen Urahnen, die sogar Namen haben. Beispielsweise „Mrs. Ples“ oder „Little Foot“. Wieder sind es die begeisterten Ausführungen der Gästeführer, die uns in den Bann ziehen. Vielleicht kann ich mich beruflich noch verändern und Paläoanthropologe werden?

Professor_ClarkeAls Professor Ronald J. Clarke – er hat Little Foot entdeckt – verrät, dass das komplette Skelett nach dem Fund 1997 immer noch nicht vollständig freigelegt ist, verwerfe ich die Berufsidee aber schnell wieder. Auch hier auf dem Besucher-Gelände der Cradle of Humankind ist eine großzügige Zeitplanung ratsam. Neben der Höhlenbesichtigung und dem interessanten Besucherzentrum wird sogar eine Bootsfahrt auf einem unterirdischen See geboten. Auch Übernachtungen sind möglich: Beispielsweise im Maropeng Hotel direkt auf dem Besuchergelände. Wir können aber leider nicht länger bleiben: In Johannesburg wartet unser Flugzeug nach Deutschland. Auf der Fahrt zum Flughafen ist unsere Reisegruppe auffallend schweigsam: Wahrscheinlich denken wir alle über die nächste Urlaubsmöglichkeit nach. Wir müssen noch einmal nach Südafrika. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Hotel-Tipp in Johannesburg: Protea Hotel Fire & Ice! Melrose Arch. Buchbar über thomascook.de.

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