Unterwegs in Ost-Java

von Jens-Jochen Lauff | mehr Artikel von | 3. November 2014 | Aus der Ferne | Keine Kommentare

Der Inselstaat Indonesien verteilt sich laut offiziellen Angaben auf 17.508 Inseln. Diese erstrecken sich knapp 2.000 km in nord-südlicher Richtung und über 5.000 km in west-östlicher Richtung zwischen Südostasien und Australien im Meer. Eine dieser Inseln, auf der auch die indonesische Hauptstadt und Millionenmetropole Jakarta liegt, ist Java. Das kulturelle Herz der Insel jedoch schlägt in der alten Hauptstadt Yogyakarta, idealer Ausgangspunkt für eine Rundreise durch den Osten Javas.

UNESCO Weltkulturerbe Borobudur – größtes buddhistisches Bauwerk der Welt

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Außerhalb der Stadt, zu Füßen der zentraljavanesischen Vulkane, darunter mit Merapi einer der aktivsten der Welt, liegt das kolossale Monument, dessen Alter auf ca. 1200 Jahre geschätzt wird. Nach mehreren Erdbeben und Vulkanausbrücken in der Geschichte Javas geriet das Bauwerk für viele Jahrhunderte in Vergessenheit und die Natur überwucherte die Steine. Erst Sir Stamford Raffles, der spätere Gründer Singapurs, entdeckte Borobudur im Jahre 1841 wieder, und es dauerte fast weitere 100 Jahre bis man Pflanzen, Erde und Vulkanasche abgetragen und den Komplex einigermaßen wieder freigelegt hatte. Die jüngste große Restauration war von 1973 bis 1983 und seit 1991 gehört Borobudur zum UNESCO Welterbe.
Das gesamte Monument symbolisiert den Kosmos und das Universum des Mahayana-Buddhismus. Die unteren fünf Ebenen sind quadratisch. In ihren Gängen wird auf zahlreichen filigranen Steinreliefs die Geschichte des Buddhismus und das Leben des Buddha und seine Lehren erzählt. Darüber liegen drei kreisrunde Ebenen, auf denen insgesamt 72 Stupas stehen, von denen jede eine Buddhafigur enthält. Gekrönt wird das Bauwerk von einer großen, zentralen Stupa. Während die quadratischen Ebenen das weltliche und das körperliche symbolisieren sollen, stehen die runden Ebenen für den Geist und die Meditation. Die große Stupa in der Mitte schliesslich symbolisiert das Nirwana, die Erleuchtung.

UNESCO Weltkulturerbe Prambanan – größte hinduistische Tempelanlage der Welt


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Östlich von Yogyakarta erheben sich mehrere hinduistische Tempel in den Himmel. Der Legende nach soll hier ein Prinz auf Grund einer Wette in nur einer Nacht insgesamt 1000 Tempel erbaut haben, um eine schöne Prinzessin zu erobern. Als jedoch mit Hilfe einiger Dämonen 999 Tempel fertig waren lies die Königstochter Feuer am Horizont anfachen und täuschte so den Sonnenaufgang vor. Die Dämonen flüchteten und damit war die Wette des Prinzen verloren, er konnte die Prinzessin nicht heiraten. Zur Strafe soll er sie in den tausendsten Tempel verwandelt haben. Tatsächlich sind es jedoch nur ungefähr 250 Tempelgebäude, von denen allein 224 zum Hauptkomplex zählen. Historiker datieren die Entstehung der Anlage auf das Jahr 850 n.Ch. Der Hauptkomplex gliedert sich in drei ineinander liegende Vierecke, die jeweils von einer massiven Mauer umrandet werden. Im innersten liegen die sechs größten und wichtigsten Tempel, die äußeren Tempel sind viel kleiner und es sind meist nur noch die Grundmauern übrig geblieben. Der mit 47 Meter höchste Tempel steht in der Mitte und ist dem wichtigsten hinduistischen Gott Shiwa geweiht. Rechts und links wird der zentrale Tempel flankiert von einem Tempel für Brahma und einem Tempel für Vishnu. Dies entspricht der Götter-Trinität des Hinduismus. Brahma als der Schöpfer, Vishnu als der Erhalter und Shiwa als der Zerstörer. Diesen drei Tempeln stehen drei weitere große Tempel gegenüber, die jeweils dem Reittier des Gottes gewidmet sind. Nandu (der Stier) als Reittier von Shiwa, Hamsa (der Schwan) als Reittier von Brahma und Garuda (der Vogel) als Reittier von Vishnu.

Yogyakarta – kulturelles Herz und handwerkliches Zentrum Javas

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Die Stadt in Zentraljava war nach dem zweiten Weltkrieg Hauptstadt Indonesiens und noch heute schlägt hier das kulturelle Herz von Java. Im Stadtgebiet finden sich zahlreiche Handwerksbetriebe, wie z.B. Silberschmieden oder Batikmanufakturen. Das Silber wird traditionell zu ganz dünnem Draht gezogen aus dem dann durch aufrollen, zusammenflechten und verknüpfen filigrane Kunstwerke entstehen. In den Batikwerkstätten werden die Stoffe mit Paraffin und Bienenwachs bearbeitet und bis zu 20 Färbevorgängen unterzogen wodurch farbenprächtige und für Java ganz typische Malereien entstehen. Das Zentrum der Stadt ist nach wie vor der Kraton, der Sultanspalast in dem die Königsfamilie von Yogyakarta auch heute noch lebt. Die Provinz Yogyakarta ist das letzte noch existierende Königreich Indonesiens. Nach dem zweiten Weltkrieg integrierte der damalige König sein Reich in das neu entstehende Indonesien und erhielt dafür den Sonderstatus und lebenslange Herrschaft. Der aktuell amtierende Sultan Hamenkubuwono ist der zehnte Herrscher der Dynastie und gleichzeitig Gouverneur der Provinz und sehr beliebt bei seinen Untertanen.

Überlandfahrt in den Osten der Insel

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Java ist über 1000 km lang und die Provinz Ost-Java bedeckt fast ein Drittel davon. Die Entfernung von Yogyakarta in Zentraljava bis nach Surabaya, die Provinzhauptstadt Ost-Javas legt man am besten mit dem Zug zurück. Die Strecke führt durch weitläufige Landschaften, vorbei an Dörfern und kleinen Städtchen. Unterwegs kann man immer wieder fleissige Menschen bei der Feldarbeit in den vielen Reisfeldern beobachten. Oft pflügen die Bauern ihre Felder noch mit dem Ochsen, das Ausbringen der Reissetzlinge ist dann Frauenarbeit. Bei guter Sicht kann man im Hintergrund immer wieder einen der javanesischen Vulkane Gunung Merabu oder Gunung Lawu sehen. Von Surabaya aus geht es mit dem Minibus weiter. Historisch Sehenswert sind die Überreste einiger Bauwerke in Trowulan, der alten Hauptstadt des Majapahit-Königreiches. Unter anderem das königliche Bad Candi Tikus, den Brahu Tempel, das gespaltene Tor Wiring Lawang und das für Java architektonisch seltene, weil nach oben hin geschlossene Tor Bajang Ratu. Das Königreich übrigens bekam den Namen von der Maja-Frucht, eine saure Kalebassen-Art, die wie Kugeln an den Bäumen wächst. Die Landschaft wird hügeliger, es wird weniger Reis, dafür viel Obst oder auch Gemüse angebaut, was auf farbenfrohen Märkten zum Verkauf angeboten wird. Hier ist unter anderem auch eines der Hauptanbaugebiete für Nelken. Die Knospen liegen überall in der Sonne zum Trocknen und verströmen ihren süß-würzigen Geruch. Immer steiler werden die Berghänge mit ihren terrassenförmigen Gemüsebeeten und die Strassen werden immer enger bis man in Tosari, vor den Toren des Nationalparks zum Mount Bromo angekommen ist.

Mount Bromo

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Ganz im Osten von Java lässt sich ein einzigartiges Naturschauspiel beobachten, vorausgesetzt man steht früh auf – sehr früh. Gegen 3 Uhr morgens fahren zahlreiche Jeeps vom beschaulichen Städtchen Tosari aus in den Nationalpark rund um den Vulkan Mount Bromo. Trotz der Nähe zum Äquator ist es um diese Zeit noch ziemlich kalt. Am äußeren Kraterrand angekommen wärmt ein heisser und süßer Kaffee bevor man sich dann zur Aussichtsplattform begibt und Richtung Osten schaut. Langsam zeigt sich ein wenig Helligkeit am Horizont, die immer intensiver wird und den Himmel mit spektakulären Farbnuancen zwischen nachtblau, violett, orange und feuerrot verziert. Endlich schießen die ersten Strahlen der Sonne über den gegenüberliegenden Kraterrand und tauchen die Caldera und die Vulkankegel in goldenes Licht. Die ganze Schönheit des Nationalparks liegt vor den Augen des Betrachters. Über Serpentinenstrassen geht es hinein in die Caldera bis hin zum aktiven Schlot des Mount Bromo, dessen Gipfel über eine Treppe zu erreichen ist. Wer möchte kann mit Ponys bis zum Fuß der Treppe reiten. Und jetzt heisst es Luft anhalten. Schon am Fuß des Kraters macht sich Schwefelgeruch bemerkbar, der immer intensiver wird je höher man sie Treppe erklimmt. Oben angekommen hat man einen beeindruckenden Blick in den qualmenden Schlund des Vulkans, in dem oft Bettler kauern und auf Opfergaben warten. Auch der Blick zurück nach unten in die staubige Caldera aufgewühlt von den Ponys, Jeeps und vom Wind ist spektakulär. Zum Frühstück geht es dann wieder zurück ins Hotel und anschliessend nach Surabaya zum Weiterflug nach Bali.

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Jens-Jochen Lauff

Jens-Jochen Lauff [Mitarbeiter]

Produktmanager Asien, Arabien, Indischer Ozean bei Thomas Cook AG
Seit 1995 bei Neckermann/Thomas Cook in verschiedenen Positionen, u.a. Auslandseinatz in Thailand, im Produktmanagement Kreuzfahrten und seit über 10 Jahren im Produktmanagement Fernreisen.
Jens-Jochen Lauff

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