Bilbao: Txakoli, Pintxos und ganz viel Kunst

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 6. Oktober 2017 | Aus der Nähe | Keine Kommentare

Einst Industrieschandfleck, heute Kunstmetropole von Weltruf: Die spanische Metropole Bilbao reizt die Sinne ihrer Besucher. Die Hauptstadt der Provinz Bizkaia ist das kulturelle Zentrum des Baskenlandes. In dieser vielfältigen Stadt kommen jedoch nicht nur Kunstliebhaber auf ihre Kosten – auch für Feinschmecker und Reisende, die sich für Architektur interessieren, hat Bilbao vieles zu bieten. Seht selbst

Pintxos – Esskultur des Baskenlands

Mittagszeit, halbeins. Ich stehe mitten im Gedränge im Victor Montez am Plaza Nueva. Geschäftsleute, Touristen, Rentner mit Baskenmütze und eine ältere Dame mit Chihuahua im Arm stehen in Dreier-Reihen vorm Tresen. Mindestens genau so dicht liegen dort, auf zwei Etagen, Pintxos in tausendundeiner Variation: Weißbrotscheiben mit den unterschiedlichsten Belägen: Marinierter Bacalao (Dorsch) oder al Pil-Pil mit Gambas, eine ordentliche Scheibe Serranoschinken, gefüllter Kürbis oder Thunfischröllchen.

Von der Puente de Vizcaya haben Besucher einen tollen Blick über den Nervión und die Dächer Bilbaos.
Für Feinschmecker sind Pintxos ein Muss - die traditionellen Häppchen werden üblicherweise mit einem Zahnstocher zusammengehalten.
Jeden Sonntag findet am Plaza Nueva in der Altstadt Bilbaos ein lebhafter Straßenmarkt statt. Hier finden Besucher von Schallplatten bis hin zu Briefmarken alles, was das Sammler-Herz begehrt.
Wer nach Bars und Restaurants sucht, wird in der Altstadt Bilbaos fündig: Am Abend ist die Casco Viejo der beliebteste Treffpunkt und ideal, um sich unter die Einheimischen zu mischen.

Ein Zahnstocher hält jedes einzelne kulinarische Kunstwerk zusammen. Ich greife beherzt zu, lasse mir ein Gläschen Txakoli reichen, jenen baskischen Weißwein, der vor den Toren Bilbaos wächst. Vor meiner Tour durch die ehemalige Industriemetropole an der kantabrischen Küste will ich mich nämlich stärken – das geht nirgends besser als in einer der mehr als 200 Bars und Restaurants in der Altstadt, dem Casco Viejo.

Besonders der rechteckige Plaza Nueva hat sich zum Mekka der Tapasfans gemausert. Unter seinen Arkaden warten etliche Bars auf Kundschaft, manche – wie das Victor Montez – eingerichtet im Stile der Belle Epoque, andere rotzfrech und modern.

Kunst von der Antike bis hin zur Avantgarde

Nach der Kulinarik ist – natürlich – Kunst angesagt: Auf zum Museo de Bellas Artes. Das am Rande des Stadtparks gelegene Museum gehört zu den zehn größten der Welt und hat – gemeinsam mit dem Guggenheim-Museum – Bilbaos Ruf als Kunstmetropole begründet. Die Sammlung beherbergt rund 8000 Kunstwerke, Gemälde und Skulpturen aus zwölf Jahrhunderten: Von der Antike über die holländische Schule bis zur modernen, zeitgenössischen Kunst.

Nicht weit davon entfernt befindet sich das Guggenheim-Museum am linken Flussufer. Allein das Äußere ist spektakulär: Titan, Glas und Kalkstein hat Architekt Frank Gehry zu einem Epoche prägenden Monument verbaut und damit den „Guggenheim-Effekt“ ausgelöst – den rasanten Aufstieg Bilbaos vom industriellen Schandfleck zur ersten Adresse für Genießer und Kunstfans.

Im Inneren beherbergt das Museum eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Europa – und das größte bildhauerische Werk, dass je für einen Raum entwickelt wurde: The Matter of Time von Richard Serra.

Vier Meter schieben sich tonnenschwere Stahlwände in die Höhe. Acht rostbraune Kolosse bilden begehbare Ellipsen, Spiralen oder breiten sich wellenförmig durch die große Halle. Die Rauminstallation ist mal konkav, mal konvex geformt, die Platten, schräg und windschief, scheinen jeden Moment einzustürzen. Einmal drinnen, verliert man jedes Gefühl von Raum und Größe.

Das Guggenheim-Museum, welches im avantgardistischen Stil erbaut wurde, ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auf 11.000m² beherbergt es zum größten Teil zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts.
Die Puente de Vizcaya wurde 2006 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die älteste Schwebefähre der Welt wurde bereits 1893 eingeweiht.
In den Gassen der Altstadt befinden sich unzählige traditionelle Tavernen - wer auf der Suche nach den typischen Gerichten Bilbaos ist, kommt an der Casco Viejo nicht vorbei.

Vom Guggenheim-Museum zu den Markthallen führt der Weg entlang der hübsch ausgebauten Promenade Ria del Nervion. Die Hallen sind verziert mit zahlreichen Ornamenten im Art-Déco-Stil, großen Glasfenstern, Blumendekoren und anderen schmückenden Elementen. Vor allem aber besticht der Markt durch sein ausgezeichnetes Angebot an Fischen und Meeresfrüchten.

Puente de Vizcaya – die erste Schwebebrücke der Welt

Zur Puente de Vizcaya bringt einen die Metro. Gebaut von Norman Foster, ist die Bahnlinie in ihrer funktionellen Einfachheit an sich schon eine Sehenswürdigkeit. Der Stararchitekt verwendete beim Bau ausschließlich Stahl, Beton und Glas. Das markanteste Merkmal sind die gläsernen, muschelförmigen Eingänge, die die Basken liebevoll „Fosteritos“ nennen.

Die 1893 fertig gestellte Hochbrücke Puente de Vizcaya war die Antwort Bilbaos auf den Pariser Eiffelturm – die Schwebefähre ist ein Meisterwerk der Stahlbaukunst und Unesco-Weltkulturerbe. An Stahlseilen schweben die Passagierkabinen in luftiger Höhe über die Mündung des Nervion nach Las Arenas in der Gemeinde Getxos.

In Getxos altem Fischerviertel warten viele Fischrestaurants in malerisch-ländlicher Umgebung auf Besucher, mich drängt es aber zurück in die Altstadt und in das legendäre Nachtleben Bilbaos. Dort huldigen – nicht nur am Wochenende – die Basken ihrem eigentlichen Lieblingssport: El Txikiteo, dem „Von Bar zu Bar hüpfen“ – immer mit einen Pintxo in der Hand und ein Schluck Txakoli im Glas. Für mich eine perfekte Sportart, die ich gleich ausprobieren muss.

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