Künstlerkolonien in Deutschland: Landidyllen wie gemalt

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 24. August 2015 | Aus der Nähe, Citytrips | Keine Kommentare

Künstlerkolonien zogen einst große Namen an. Heute kommen vor allem Touristen in die ländlichen Gegenden Deutschlands: Der Charme der Orte ist ungebrochen.

Dachau – Adolf Hölzel schockierte: 1905 schuf er mit seiner „Komposition in Rot“ eines der ersten abstrakten Werke in Deutschland – in Dachau. Auch Max Liebermann, Lovis Corinth oder Josua von Gietl schätzten die Kleinstadt bei München. All diese Künstler hatten mit ihrer freidenkerischen Weltanschauung die Malerei des frühen 20. Jahrhunderts deutlich geprägt – und ziehen noch heute viele Kulturtouristen an, die ihren Spuren folgen. Zahlreiche Werke entstanden vor Ort, mehr als 200 hängen allein in der Gemäldegalerie im Herzen der Altstadt. Eine perfekte Ergänzung ist die Neue Galerie – mit feinen Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst.

Hölzl_Dachau

Dinkelsbühl – Carl Spitzweg war der erste: 1855 kam der Künstler nach Dinkelsbühl, Gustav Schönleber und Friedrich Kallmorgen folgten. Sie hielten auf ihren Leinwänden per Pinselstrich fest, was Tausende von Touristen auch heute noch sehen: eine malerische Altstadt. Die verwinkelten Gassen inspirierten noch immer „Maler aus aller Welt“, sagt Arthur Appelberg, der jedermann gerne in sein Atelier lädt. Dort arbeitet der Allround-Künstler, der auch ein Keramik-Studio und ein Hotel betreibt, mitunter sogar mit historischen Grafikpressen. Insgesamt halten acht „Kreativbetriebe“ – darunter Bildhauerwerkstätten, Ateliers und Grafikerstudios – den Ruf der Stadt als Künstlerkolonie am Leben.

Selbstportrait Carl Spitzwegs

Murnau – Die Natur zog sie dorthin: Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, Alexej Jawlensky oder Marianne von Werefkin malten hier viele ihrer weltberühmten Bilder. Auch heute weht ihr Geist noch durch Murnau, etwa im „Russenhaus“, dem Sommersitz von Kandinsky und Münter. Oder im Schlossmuseum Murnau, das der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ eine eigene Abteilung widmet. Es beherbergt auch die weltgrößte Münter-Sammlung. Doch nicht nur Maler fühlten sich im Murnauer Moos wohl. Auch der Dramatiker Ödön von Horváth blieb zehn Jahre – und hinterließ ungezählte Seiten Weltliteratur. Besucher erfreuen die denkmalgeschützten Häuserfassaden, häufig auch Aktionsraum der aktiven Künstlerszene.

Murnau

Murnau (c) Rufus46

 

Schwaan – Einst lebten Carl Malchin und Eduard Ehrke hier: Oder auch Peter Paul Draewing oder Alfred Heinsohn. Sie alle kamen in das Städtchen unweit von Rostock und griffen dort zum Pinsel – gefesselt von den einzigartigen Motiven und Kulissen. Vor allem die Seen und Torfmoore zogen die Maler in ihren Bann, aber auch die Hügellandschaften und die romantischen Ufer von Warnow und Beke. Heute dokumentiert das Kunstmuseum Schwaan, untergebracht in der alten Wassermühle, die Arbeiten der Künstlerkolonie – auf drei Etagen. Aktuell zeigt das Haus zu seinem 140. Geburtstag Otto Tarnogrocki, der in jungen Jahren am Louvre kopierte und danach im Atelier von Claude Monet arbeitete. Berühmt sind seine Schwarz-Weiß-Bilder, die der Wahl-Stettiner mit schwarzer Schuhwichse aufs Papier brachte.

Otto Tarnogrocki, Warten auf die Ausflugsboote, Kunstmuseum Schwaan

Worpswede: „Worpswede ist ein Wunderland“ schrieb die Malerin Paula Becker 1897 begeistert in ihr Tagebuch. Und Rainer Maria Rilke schwärmte von einem „Himmel von unbeschreiblicher Veränderlichkeit und Größe“ über dem Dorf im Teufelsmoor bei Bremen. Es entwickelte sich zur Künstlerkolonie, seit Fritz Mackensen und seine Freunde 1889 hier Quartier nahmen. Worpswede ist noch immer ein Treff begabter Künstler: International ausgeschriebene Stipendien der örtlichen Galerien locken junge Leute mit neuen Themen an, die vor Ort in den Häusern zu sehen sind. An die Zeit der Landschaftsmalerei wiederum erinnern mehrere Museen und Kunststiftungen. Im Mittelpunkt der aktuellen Sommerausstellung stehen – an drei Schauplätzen – Käthe Kollwitz, Ottilie Reylander und Jeanne Mammen.

Windmühle Worpswede

© Makrodepecher_pixelo.de

Share on Google+0Share on Facebook0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Email this to someone
 
Reiseblog-Redaktion

Reiseblog-Redaktion [User]

Reisetipps und -empfehlungen aus erster Hand.
Reiseblog-Redaktion

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 
Optimization WordPress Plugins & Solutions by W3 EDGE