Italienisches Schinkenfest: Gaumenschmaus der Extraklasse

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 9. Juni 2017 | Aus der Nähe | Keine Kommentare

Den Floh ins Ohr gesetzt hatte mir mein Metzger: „Den besten Schinken bekommst du bei mir“. Oder direkt in San Daniele“. Und die beste Zeit für eine Tour in das oberitalienische Städtchen sei Ende Juni während der Aria di Festa, dem Schinkenfest. In diesem Jahr findet das Highlight am 24. und 25. Juni statt – die optimale Gelegenheit der kleinen Idylle einen Besuch abzustatten, um sich selbst von den Spezialitäten zu überzeugen!

San Daniele-Schinken: Eine weltweite Berühmtheit

An der Piazza Duomo erwartet mich bereits Matteo von der Bruderschaft der Prosciuttificos, der Schinkenhersteller. „Ciao“, ruft der Vierzigjährige mir zu, „du musst Hunger haben“. Keine Frage, ein Befehl! Und so geht es gleich in einer der zahlreichen Prosciutterias, kleine Läden, in denen Schinken verkauft werden – zum sofort Essen oder Mitnehmen.

„Wir haben den besten Schinken der Welt“, stellt Matteo selbstbewusst fest. Der von Parma sei „für Proleten“ und der spanische Bellota „viel zu teuer“. Dass mein Begleiter nicht falsch liegt, beweist Maria. Sie kommt mit einem Teller Schinken, der so dünn geschnitten ist, dass das altmodische Blumenmuster im Porzellan erkennbar ist. Kein Brot, keine Melonenscheibe.

Der wahre Kenner isst den San Daniele so und nicht anders: Die Scheibe leicht gerollt in einer Hand. Kopf in den Nacken und die Zunge rausgestreckt. Dann sinkt das Prachtstück langsam auf den Gaumen – und schmilzt mehr als dass es gekaut wird.

Kein seltener Anblick in San Daniele: Hängende Schinken im Schaufenster der Prosciutterias, der kleinen Läden in denen die Delikatesse verkauft wird.
Die Kunst dabei: Hauchdünn muss der Schinken geschnitten sein, damit die Intensität des Geschmacks sich voll entfaltet.
Eine echte Spezialität in Italien: Der San Daniele Schinken zählt zu den edelsten Sorten der Welt und wird auf dem jährlichen Schinkenfest in der gleichnamigen Stadt Ende Juni jedes Jahr gefeiert.
Volle 13 Monate müssen die Keulen in der Reifehalle ruhen, um die erstklassige Qualität zu erhalten.

Warum der Schinken aus San Daniele so unglaublich zart ist, erklärt mir Matteo später auf einer Besichtigung seiner Schinkenfabrik. „13 Monate ruhen die mindestens elf Kilo schweren Keulen hier in den Reifehallen“, erklärt er, während über uns Hunderte von edelschimmelbesetzte Schlegel von der Decke duften. Vorher wurden sie mit Meersalz eingerieben und getrocknet. „Zuerst am Meer, dann an klarer Bergluft – das ist das Geheimnis der Herstellung.“

Rund um das Schinkenfest

Das wollen am Abend auch Tausende von Schinkenfans entdecken, die die Altstadt von San Daniele während des viertägigen Schinkenfest in einem einzigen riesigen Verkostungsstand unter freiem Himmel verwandeln: Ein Meer von Biertischgarnituren bedeckt die Piazzas und ihre Nebenstraßen. Vom Domplatz dröhnt Italo-Pop, später wird der italienische Comedy-Star Enzo Lacchetti die Besucher zum Lachen bringen.

Rund 1.000 San Danieler sind auf den Beinen, um 6.000 Schinken in rund acht Millionen Scheiben aufzuschneiden. Serviert wird die Leckerei dann allerdings gerne mit Melone, einem frischen Malvasia aus dem Friaul und – ich staune – mit bayerischem Weißbier. „Der herbe Geschmack passt vorzüglich zu dem nussigen Aroma des Schinken“, klärt mich Matteo auf – und ordert gleich nochmal zwei halbe Liter.

Wer nicht nur wegen dem Schinkenfest in das norditalienische Städtchen reist, kann die historische Altstadt erkunden.
Auch die umliegenden Städte haben einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie der Dom in Tolmezzo.
Raus aus der Stadt und rein in die Natur: Die Karnischen Alpen, nördlich von San Daniele, laden zum ausgiebigen Wandern ein.

Doch nicht nur die San Danieler sind stolz auf ihren Schinken und ehren den runden Dicken mit einem mehrtägigen Event. In Parma, Zibello und Montagnana finden jährlich im Mai, Juni und September weitere Schinken-Feste statt, die beim Besuch in Italien nicht fehlen dürfen.

Wer seinem Magen auch einmal eine Ruhepause gönnen will, der kann in San Daniele etwas Kultur tanken. Die Stadt besitzt mit der Biblioteca Guarneriana  eine der ältesten öffentlichen Bibliotheken Italiens. Auch für eine Wanderung bietet sich die Stadt am Rand der Karnischen Alpen im Frühsommer perfekt an – schließlich macht frische Luft hungrig.

 
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