Glocken, Trommeln, Federbüsche: Osterbräuche in Europa

von | mehr Artikel von | 19. März 2015 | Aus der Nähe | Keine Kommentare

Ostern in Deutschland: Ein eher stilles und beschauliches Fest. Anders ist das in vielen beliebten europäischen Reisezielen: Dort wird gefeiert – und mitunter sogar mit Ostereiern geworfen.

Wie beispielsweise in Bulgarien: Dort landen sie entweder an einer Kirchenmauer – oder man bewirft sich gegenseitig damit. Wessen Ei nicht kaputt geht, hat zwölf besonders erfolgreiche Monate vor sich. Landesweit auf den Tisch kommt das Osterbrot mit viel Zucker und Früchten – gebacken von unverheirateten Mädchen.

Laut her geht es hingegen in Finnland. Kinder ziehen am Ostersonntag durch die Straßen und machen Krach – mit allem, was dazu taugt. Die Erwachsenen schlagen sich wiederum gegenseitig mit Birkenruten auf den Rücken: Das – Glück verheißende – Ritual erinnert an Palmwedel, mit denen Jesus bei seinem Einzug nach Jerusalem begrüßt wurde.

Berühmt in aller Welt ist Spanien nicht nur als Badeziel, sondern auch für die Prozessionen in der Semana Santa – die Karwoche ist vielerorts eine Touristenattraktion. Tausende Kameras klicken beispielsweise in Sevilla, wenn vermummte Männer tonnenschwere Festsänften mit Szenen aus der Passion durch die Straßen tragen.

SEVILLE. SPAIN - APRIL 13: The brotherhood of "La Estrella" In their procession by Seville crossing the bridge of Triana, In Holy week on april 13, 2014 in seville.

Am lautesten aber geht es in Calanda in Aragonien zu: 26 Stunden lang schlagen Hunderte von Trommlern ohne Pause auf ihre „Puntuntunes“.

Geschlagen wird schließlich auch in Tschechien: Die Männer klingeln am Ostersonntag bei Freunden oder in der Nachbarschaft und hauen den dort anwesenden Frauen mit geflochtenen Weidenruten leicht auf die Beine – das Ritual verspricht Jugend und Gesundheit. Das weibliche Geschlecht steht in Tschechien an diesem Tag übrigens früh auf: Vor der Ostermesse ist eine eiskalte Dusche Pflicht.

In Frankreich spielen Glocken eine große Rolle. Sie bleiben zwar von Gründonnerstag bis Karsamstag im ganzen Land stumm – weil sie der Legende nach auf dem Weg nach Rom sind und erst am Ostersonntag zurückzukommen. Dann läuten sie auch wieder und verstreuen Süßigkeiten und Eier, die Kinder überall im Land im Wettstreit in die Luft werfen – das erste, das auf den Boden fällt, verliert. Mit dem ersten Glockenschlag umarmt und küsst man sich.

An schönen Kuchen – „Colomba Pasquale“ etwa oder „Paloma di Pasqua“ werden gereicht – orientieren sich Italiens Osterbräuche. Sie treiben lokal aber auch bizarre Blüten: Im toskanischen Städtchen Greve saust beispielsweise eine Plastiktaube raketenbetrieben auf einem Drahtseil quer über den Marktplatz. Schafft sie Hin- und Rückweg, fällt die Ernte gut aus. Gar dämonisch geht es in Prizzi auf Sizilien zu: Beim „Ballo dei Diavoli“ entführen Teufel und Tod die Bewohner in Lokale, wo sie sich wieder freikaufen müssen. Bevorzugtes Lösegeld: Grappa.

Easter dove on the table - Traditional Italian dessert

Flüssiges spielt auch in Polen eine große Rolle: Man bespritzt sich mit Wasser, Kinder schütten es sich gegenseitig sogar eimerweise über den Kopf. „Smyngus-Dyngus“ erinnert an die Taufe von Herzog Mieszko I., der dem Land das Christentum brachte. Traditionell bringen die Polen am Ostersonntag auch einen Korb mit Eiern, Brot, Kuchen und weißen Würsten in die Kirche – der dort gesegnet wird.

Weltlicher geht es in Schweden zu: An Ostern kommen vor allem Birkenreisig und gelbe Federnbüsche in die Wohnung – und die Eier werden am Ostersonntag nicht vom Hasen, sondern von Küken im Garten versteckt. Doch eigentlich schlägt die Stunde der Kinder schon am Gründonnerstag: Dann ziehen Jungen und Mädchen, verkleidet als Osterweiber mit langen Röcken und Kopftüchern, durch die Nachbarschaft und bitten um Süßigkeiten.

Weithin unbekannt hierzulande auch das in Großbritannien übliche „Egg-Shackling“. Kinder schreiben auf ein rohes Ei ihren Namen – danach kommen alle Eier in ein Sieb und werden geschüttelt. Es gewinnt das Kind, dessen Ei am längsten heil bleibt. Auch sammeln die Engländer an Ostern gerne Weidenkätzchenzweige und streicheln sich damit – es soll Glück bringen.

Aus dem Kalender fällt das griechische Osterfest: Es wird eine Woche später gefeiert. Im Mittelpunkt steht das Rot. Alle Ostereier sind in dieser Farbe bemalt – als Symbol für das Blut Christi. Am Ostersamstag gehen die Griechen mit brennenden Kerzen in die Kirche und löschen um Mitternacht alle bis auf eine – als Zeichen für die Auferstehung.

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Stefanie D.

Stefanie D. [User]

Online-Redakteurin / Content Marketing bei Thomas Cook / Neckermann Reisen
Seit 2009 bei Thomas Cook Als Pressereferentin habe ich vier Jahre lang Journalisten für unsere Marken und Produkte begeistert. Seit Oktober 2013 bin ich Online-Redakteurin und für Content-Marketing zuständig. Privat reise ich am liebsten unabhängig, auch gerne an´s andere Ende der Welt. Die Kamera stets im Gepäck, bin ich immer darauf aus meine Eindrücke festzuhalten. Meine letzten Reisen führten mich per Shinkansen durch Japan, mit Tricycle über so manche philippinische Insel, per Inselhopping habe ich die Kykladen erkundet und zuletzt zu Fuß den Kilimadscharo bestiegen. Privat blogge ich unter: http://smile4travel.de/
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