Skilanglauf: Und hinterher ein Stamperl Enzian

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 21. Dezember 2017 | Aus der Nähe | Keine Kommentare

Günstiger als Skifahren. Und gesundheitsfördernd: Langlaufen in den Alpen. Immer mehr Menschen entdecken den Langlauf für sich. Nicht nur ältere, auch viele jüngere Wintersportler sind auf den Loipen anzutreffen.

Faszination Langlauf

Montagmorgen auf der Seiser Alm. Gerade erst hat der Spurschlitten die Loipe frisch präpariert, da gleitet eine Gruppe Langläufer in perfekter Synchronie durch den Schnee: Zwei, drei Diagonalschritte, einige weitausholende Doppelstockschübe, dann gehen die vier in die Beuge, recken die Stöcke in die Höhe und fahren, wie an einer Schnur gezogen, Richtung Tal – vorbei am Langkofel, dessen Spitze sich im Hintergrund 3181 Meter in den stahlblauen Himmel bohrt.„Das sind die Norweger“, raunt mir Toni Hintermeier zu. „Die kommen jedes Jahr“. Genauso wie die Nationalmannschaften aus Italien, Schweden oder den USA. Die Winterspitzensportler locken rund 80 Kilometer Loipen auf einer Höhenlage zwischen 1800 und 2200 Meter. „Doppelt und vierfach gespurt und ausgezeichnet präpariert“, wie der 45-Jährige weiß.

Egal ob Snowboard, Ski oder Langlauf: Wintersport ist hierzulande sehr beliebt. Über 15 Millionen Deutsche fahren regelmäßig in den Winterurlaub.
Skilanglauf bietet einige Vorteile gegenüber anderen Wintersportarten. So ist der Langlauf nicht nur besonders gesundheitsfördernd, sondern auch kostengünstiger als das Skifahren.
Aufgrund der steigenden Beliebtheit des Langlaufs bauen viele Skigebiete ihr Loipennetz aus.

Auch Toni verbrachte in seiner Schulzeit die Winterferien in Südtirol, heuerte Mitte der Neunziger Jahren in einem Snowboard-Center als Trainer an – und hat seit der letzten Saison den Langlauf für sich entdeckt. „Das ist in meinem Alter gesünder“, lacht er mir zu. Der Langlauf aktiviere die unterschiedlichsten Muskelgruppen: Schulter, Rücken, Nacken, Becken oder Beine, rege das Herz-Kreislaufsystem an und trainiere schließlich Kraft und Ausdauer.Vor allem aber tue die im Vergleich zur Abfahrt eher gemächliche Bewegung in Kälte und Natur der Seele gut. „Das ist unglaublich entspannend und geradezu meditativ“, so mein Begleiter. Und wie zum Beweis führt er mich nach Val Scura am Langlaufzentrum Monte Pana.
Die 7,5-Kilometer lange Strecke ist ideal für Hobbysportler, nur die ersten 1.000 Meter sind wirklich fordernd: Fünf Steigungen führen uns auf bis zu 2.000 Meter Höhe, danach gleiten wir gemächlich über schneebedeckte Wiesen und genießen kurze Abfahrten ins Tal. Im Hintergrund haben sich schroffe Felsen mit kleinen Schneehüttchen fein gemacht. Vor uns schütteln Tannen den Schnee von ihren Häuptern.

Wintersport inmitten der Natur

Die Spur führt direkt auf sie zu in ein dunkles Wäldchen, wo Nadelwerk und dichter Schnee jedes Geräusch schlucken. Selbst das Gleiten der Skier dringt nur gedämpft an mein Ohr. Von dem lärmenden Skizirkus, der an vielen Steilpisten herrscht, dem Gedränge am Sessellift oder dem Gepose beim Aprés-Ski sind wir Welten entfernt.
Nach gut zwei Stunden sitzen wir bei einer Jause in einer der zahlreichen Almhütten, die entlang der Loipen auf hungrige Gäste warten. Es gibt Südtiroler Speck, ein Teller hausgemachter Schlutzer – eine Art Ravioli aus Roggenmehl mit frischem Spinat und Ricotta – und ein Stamperl Enzian. Uns gegenüber sitzt ein Grüppchen athletisch gebauter Herren und unterhält sich in einer fremden, nordisch klingenden Sprache.

St. Anton am Arlberg, Tirol

Toni nickt kurz hinüber und erklärt mir dann, dass der Langlauf nicht nur deshalb so beliebt sei, weil er dem Trend zur Entschleunigung entspreche. Die Wintersportart sei – gerade für jüngere Menschen oder Familien – eben auch eine günstige Wintersportalternative.
In der Tat: Die Preise für ein Langlaufticket liegen – nicht nur in Südtirol, sondern in sämtlichen Skigebieten der Alpen – deutlich unter denen für Skipässe. Auf der Seiser Alm etwa kostet die sogenannte Loipen-Maut beispielsweise sechs Euro pro Tag. Ski- und Snowboard-Fahrer zahlen in der Hauptsaison, für denselben Zeitraum, dagegen stolze 53 Euro.

 
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