Valletta: Europas Kulturhauptstadt 2018

von Reiseblog-Redaktion | mehr Artikel von | 27. März 2018 | Aus der Nähe | Keine Kommentare

Eine Stadt wie ein einziges Freilichtmuseum. Maltas Metropole ist reich an Tradition – und strotzt vor Lebendigkeit: Gold. Überall Gold. An den Säulen und Rundbögen, die zu den reich verzierten Kapellen führen. An den Gewölben im Hauptschiff, die mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Johannes geschmückt sind. An der Kanzel, der Orgel, den Altären – überall, wo man hinblickt, glänzt es golden.

Wir stehen in der St. John`s Kathedrale: Nirgendwo sonst offenbart sich der Reichtum der Malteser-Ritter so deutlich, wie in dem prunkvollen Gotteshaus. Es wurde 1573 von ihrem Großmeister Jean de la Cassière in Auftrag gegebenen. Unter seinem Dach hängen, viel besucht, auch zwei kostbare Gemälde: Die Enthauptung Johannes des Täufers von Caravaggio – eines der bedeutendsten Kunstwerke des barocken Malergenies. Und sein Bild vom Heiligen Hieronymus. 1984 geriet dies in die Schlagzeilen, als es aus der Kirche gestohlen wurde und dann drei Jahre später auf geheimnisvolle Weise wieder auftauchte. Eines ist also klar: Valetta hat nicht nur Gold zu bieten, sondern auch Abenteuer!

„Mehr als 250 Jahre herrschte der Orden auf Malta“, erklärt Guide John. „Ohne sie gäbe es Valletta nicht“. 1566 legten die Malteser-Ritter den Grundstein für die neue Stadt: Auf der Landzunge von Monte Sciberras, die von den beiden größten Naturhäfen des Mittelmeers umschlossen wird. „Eine strategisch perfekte Lage“, weiß John. Zusammen mit den mächtigen Festungsanlagen, die die ganze Stadt einschließen, machten sie Valletta uneinnehmbar.

Eine Stadt wie ein Open-Air-Museum

Die schnurgeraden Straßen, die aus militärischen Gründen wie ein Schachbrett angelegt wurden, prägen genauso wie die unzähligen barocken Paläste, Kirchen und Bastionen noch heute das Stadtbild. Valletta, findet John, sei „eigentlich ein einziges Freilichtmuseum“. Das fand 1980 bereits auch die UNESCO. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen verlieh der kompletten Altstadt den Status eines Weltkulturerbes.

Auch 2018 ist ein besonderes Jahr denn Valletta ist Kulturhauptstadt Europas. Unzählige Musikveranstaltungen, Theaterperformances, Ausstellungen und Feste, meist vor historischer Kulisse, machen einen Besuch noch lohnenswerter.

Doch auch ohne diese vielen Top-Events ist ein Trip zu der kleinsten aller EU-Metropolen eine feine Sache, wie wir bei einem Spaziergang durch das verwinkelte Alt-Valletta merken. Es nimmt uns schnell gefangen, mit seinen alten, sandfarbenen Fassaden, von denen bisweilen der Putz bröckelt und die im Kontrast zu den reich verzierten, hölzernen Balkonen stehen, meist in frischem Rot oder Grün gestrichen. Die schöne Stadt liegt übrigens keine 300 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt.

Eindrucksvoll überall die schicken Geschäfte für Mode, Kunsthandwerk oder Schmuck, über denen immer wieder verblasste Schilder oder Schriften daran erinnern, dass hier einst ein Tante-Emma-Laden die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgte oder ein Bäcker seinem Handwerk nachging. An vielen Ecken warten auch kleine Bars. Oft von jungen Leuten ohne viel Kapital betrieben, gemütlich eingerichtet und Treff von Einheimischen und Touristen gleichermaßen.

Linksverkehr und Bier ohne Schaum

Das ist auch so im Café Cordina, das sich der mediterranen Esskultur verschrieben hat. Feinstes Eis, das an die Nähe zu Italien erinnert, köstliche Kuchen-Kreationen aber auch Inselspezialitäten warten – wie etwa Ftira, eine Art Malteser Pizza. 1837 gegründet, ist es das älteste Kaffee-Restaurant der Stadt und fast so prunkvoll wie eine Kirche. Das zweigeschossige Gebäude schmücken allegorische Wandgemälde. Auf dem Marmorboden prangt ein Ritterwappen und die Gewölbedecke ist reichlich mit Stuck verziert, der – wie könnte es anders sein – ganz in Gold glänzt.

Genauso schön sitzt es sich auf der Kaffeehaus-Terrasse in Nachbarschaft zur Nationalbibliothek – vor der Queen Victoria seit 1891 im schneeweißen Gewand stoisch auf den lebendigen Platz der Republik mit seinem auch am Abend nicht nachlassenden Menschenstrom schaut. Denn nicht nur die Malteser haben die Stadt geprägt, vor allem drückten ihr die Briten den Stempel auf. Sie führten von 1800 bis zur Unabhängigkeit Maltas 1964 das Kommando: Englisch ist die zweite Amtssprache, es herrscht Linksverkehr, die Schüler tragen grüne Uniformen und das Bier in den Kneipen dümpelt, randvoll eingefüllt, schaumlos in den Gläsern. Doch Schaumkrone hin oder her – Valetta lohnt sich für einen Städtetrip allemal!

 

 
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