Die arabischen Emirate - ein Land zwischen Natur und Technik, Tradition und Moderne

von Charlotte Wilhelm | mehr Artikel von | 26. September 2016 | Aus den Reisebüros | Keine Kommentare

Schier endlos erscheint mir an diesem Nachmittag der Weg zu unserem Ziel: Sand so weit das Auge reicht, zieht am Fenster vorbei und graugrüne Palmen am Straßenrand flankieren die gut ausgebaute Straße in Richtung Südosten. Irgendwann verlassen wir die Landstraße, tauschen sie gegen eine steinige Piste bis wir irgendwo im Nichts ein rostiges Tor passieren.  Und dann tauchen wir ein in die Welt Südafrikas: sanfte goldgelbe Sanddünen, die in der schon tiefstehenden Sonne rötlich schimmern, flankieren unseren Weg zum Haupthaus des Al Maha Desert Resort & Spa. Gazellen und Oryks schauen neugierig hinter dornigen Sträuchern hervor und beäugen uns misstrauisch. In den Mulden liegen versteckt die 37 Beduinen-Suiten mit Pool der Lodge und schmiegen sich an die begrünten Hügel an. Selbst die Innenausstattung erinnert an ein Wüstenzelt. Hier kann man in luxuriöser Abgeschiedenheit dem Alltag entfliehen und in der Morgen- und Abenddämmerung die Tiere am chlorfreien Pool beim Trinken beobachten. Ein eleganter Spa, sportliche Aktivitäten und hervorragendes Restaurant runden das Angebot ab. Zu empfehlen sind die Wüstensafaris mit Sundowner im Jeep oder ganz stilecht auf dem Kamel. Wenn man ganz leise ist, hört man den Sand über den Dünenkamm rieseln. Die Stille ist hier zum Greifen nah – ein ganz tief berührendes Gefühl und Balsam für die Seele!

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Zurück in Dubai hat uns die Moderne wieder und rauf geht‘ s auf den höchsten Turm der Welt: von der Aussichtsplattform des Burj Al Khalifa mit seinen 828 m sehen selbst die umliegenden Wolkenkratzer Dubai‘ s aus wie kleine Modelle im Sandkasten. Zu Füßen des Turms liegt vor der „Dubai Mall“ mit riesigem Aquarium – die Wasserorgel. Nach Einbruch der Nacht ist dies ein Magnet für Touristen und „Dauershopper“, die sich dieses stündlich ablaufende Schauspiel aus Wasserfontänen, Licht und Musik nicht entgehen lassen wollen.

Hotels, die sich für einen Städtetrip anbieten, sind  zum Beispiel das Vida Downtown Dubai  mit seiner schönen Loungebar und Cafe am Pooldeck oder das Kempinski Mall of the Emirates. Dieses Hotel bietet neben dem direkten Zugang zu dieser kleineren Mall als Highlight eine Skihalle. Bei -3 °C entflieht man der Hitze und dem Sand  in eine weißen Alpenkulisse. Und wer‘ s ganz urig mag, logiert in einem Chalet mit Pistenblick.

Wer lieber am Strand wohnt und den Transfer in die Stadt nicht scheut, findet in den Appartements und Suiten des Kempinski Hotel & Residences Palm Jumeirah Platz für die gesamte Familie.

Abu Dhabi hingegen besteht aus vielen kleinen Inseln, die zum Teil miteinander verbunden sind. Manche davon sind noch unberührt und ihre Mangrovenwälder können während einer Kanutour in den kühleren Monaten erkundet werden. Luxuriöse Hotels wie das zentral gelegene Hotel Southern Sun Abu Dhabi oder das Designhotel Yas Viceroy auf Yas Island mit direktem Anschluss an die Formel 1 – Rennstrecke und eigenem Jachthafen, lassen mit ihren geschmackvollen Designs und erstklassigem Service keine Wünsche offen. Letzteres bietet vor allem nachts eine beeindruckende Fassade. Einen tollen Blick darauf hat man von gegenüber, aus dem italienischen Restaurant „Blabla“ mit dem leckersten Büfelmozzarella, den ich je gegessen hatte.

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Das bekannteste und faszinierendste Hotel ist aber das Emirates Palace Abu Dhabi. Die Sheiks schufen hier ein Hotel der Superlative in Größe, Ausstattung und Ambiente. Der Service ist hier Programm; überall finden sich helfende Hände, die auf fast jede Urlaubssorge die richtige Antwort finden. Dieser Traum in sandbeige und gold mit seinem gedämpften Licht, den Wasserbecken, gefriergetrockneten Palmen und künstliche Oasen erinnern an einen Nachmittag im Wüstenzelt.

Ein weiteres monumentales Highlight in Abu Dhabi ließ Sheik Zayed mit der gleichnamigen Moschee erbauen, einer der Größten der Welt. Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 1996. Dieses Bauwerk aus weißem Marmor erinnert an das indische Taj Mahal und steht für Gastfreundschaft, Tradition und Offenheit gegenüber allen Besuchern egal welcher Religion. In die Seitenräume der Moschee gelangt man durch einen Gang, deren Säulen mit steinernen Blumenranken verziert sind. Am Beeindruckendsten ist aber der Hauptraum mit drei riesigen Kuppeln, die von je acht Säulen getragen werden. In jeder hängt ein mehrere Tonnen schwerer Kronleuchter, deren Design von der lebensspendenden Frucht Arabiens – der Dattel – inspiriert wurde. Sie strahlen Anmut und Prunk gleichermaßen aus. Auch sonst ist es ein Gebäude der Superlative: insgesamt gibt es 1192 Säulen und man schreitet barfuß über den größten Teppich der Welt mit 5625 qm.

Wer von diesen Superlativen genug gesehen hat, kann tiefer in die faszinierende Welt des Orients eintauchen und die traditionellen Souks besuchen. Sie spiegeln noch einen Rest des ursprünglichen Charme und Reiz des Landes wider und man fühlt sich wirklich im Orient mit all seinen Schätzen, Gewürzen, Düften und Farben. Auch eine Diner-Cruise auf einem der alten Boote bietet dazu Gelegenheit.

Mir selbst fiel es während diesem kurzen Aufenthalt schwer, ein Stück der echten Emirate zu finden. Diese künstlich geschaffene Welt beeindruckt durch technische und finanzielle Meisterleistungen, aber mit einem Ausländeranteil von 80% bleiben die Einheimischen und ihr Alltag wie hinter einem Schleier verborgen. Um die Seele dieses Landes zu finden, muss man sehr genau hinsehen. Hier und da erhascht man ein kleines Stück. Oder ist es doch nur eine Fata Morgana? Vielleicht muss man auch an anderen Stellen suchen. Jedenfalls braucht es dafür mehr als eine Reise!

 
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