Ein Schiff wird kommen…richtig – und ein Schiff wird fahren…leider ohne uns!

von Andrea Dalstein | mehr Artikel von | 19. November 2014 | Aus den Reisebüros | Ein Kommentar
Was zuvor geschah:
Yippieh – endlich Urlaub.  Gesagt – Gebucht: NCL Cruises freute sich übermaessig, uns an Bord eines ihrer Schiffe zu einem Kurztripp Miami – Bahamas begrüßen zu dürfen. Und wir erst. In Philly pünktlich eingecheckt saßen wir fröhlich auf 35E und 35F. Proppenvoller Flieger, wie die Zugvögel gen Süden, huschen ab November immer die Rentner ins sonnige Florida. Wir senkten den Altersdurchschnitt enorm. Wir und die Flip-Flops neben uns. Tz. Musste mal wieder mein Köpfchen schütteln. Im November bei immerhin nur 5 Grad Morgentemperatur mit kurzen Hosen, T-Shirt und Flip-Flops ins Flugzeug zu steigen…das kriegen wirklich auch nur Amerikaner fertig. Und Amerikanerinnen – sie war ebenso luftig unterwegs. Wie auch immer, Türe zu und auf zur Runway. Und schon begannen unsere Probleme.
Ready – steady – go…nur noch 1 Flieger vor uns. Doch halt: Captain Kirk stellte fest, dass wir nicht genug Treibstoff geladen hatten. WHAT? In Filmen fallen ja Piloten immer wegen Lebensmittelvergiftung aus, in dem Fall muss das gesamte Cockpit an irgendwas gelitten haben, denn “Benzin” ist ja wohl definitiv auf der Check-List. Gut, aber wenn’s nicht reicht, was willste machen? Zurück zum Gate. Kirk beruhigte: Easy going!! In 30 Minuten seien wir wieder flott. Das, woran er vorher gelitten hatte, hatte auf jeden Fall auch sein Zeitempfinden deutlich gestört. Aber Schwindeln konnte er super. Plötzlich – während des Nachtankens – hatten wir einen kleinen, wirklich minimalen, technischen Defekt – nix Dolles, kein Grund zur Sorge. Es würde zügig weiter gehen. Pff, Blick zur Uhr – och, Kirk war so frohen Mutes, wird schon passen. 90 Minuten zogen ins Land. Kirk laborierte wahrscheinlich an seiner Vergiftung, auch von ihm war nichts zu hören…Nein, halt, da war er wieder: Wir dürften nun sogar aussteigen und uns die Beine vertreten, ist doch netter, als so eng zu sitzen. Bingo. Langsam wurde ich nervös und stellte die erste Rückwärtsrechnung auf. Schiff läuft aus um 5, wir landen nicht um 12.30 Uhr, sondern schon mal mindestens um 2, plus jetzt das Aussteigen, Neu-Boarden…hmm…könnte locker 3/ halb 4 werden. Wieder draußen am Gate kamen wir mit den Flip-Flops ins Gespräch. Auch sie wollten auf dieselbe Cruise. Wir telefonierten mit NCL, um schon mal zu melden, dass wir womöglich erst sehr knapp am Schiff ankommen würden. Null problemo, bis 4 hätten wir Zeit an Bord zu gehen. Was soll ich sagen…Kirk hatte es echt übel erwischt – er war nicht vor 14.10 Uhr flugfähig – wir hatten 4,5h Verspätung.
Kreuzfahrt
…(Gedankenblase…): Während ich noch in Philly wartend im Ungewissen saß, kamen mir die dollsten Gedanken in den Sinn. Wie wir alle wissen, passiert ja nichts ohne Grund. Jaaa, danke Kirk, das konnte nur bedeuten, dass noch am selben Abend ein Schiff der Norwegian Cruise Line aus bis auf Weiteres ungeklärter Ursache im Hafenbecken von Miami sinken würde. Nein, noch schlimmer…es würde auslaufen, sich ja auch gewissermaßen Richtung Bermudas bewegen, um dort dann spektakulär von den Radaren der Welt einfach spurlos für immer zu verschwinden. Panik, nein, es würde 4 Wochen in Karantäne im offenen Meer treibend sein Dasein fristen, weil sich einer der 2000 Passagiere beim An-Bord-Gehen nicht ordentlich die Hände desinfiziert hat…Schwitz. Mir wurde heiß und kalt von oben bis unten. Klarer Vorteil, wenn man in Flip-Flops unterwegs ist…(Ende Gedankeblase…)…
In der Zwischenzeit hatten wir Plan B und C diskutiert. Abbruch und wieder nach Hause fahren? Einfach übers Wochenende in Miami bleiben? Schnief – ich war kurzzeitig übellaunig. Miami Beach ist nett, schicke Hotels, aber NUR, wenn man Miami gebucht hat. Nicht, wenn man eigentlich eine Kreuzfahrt im Sinn hat. Kirk in bester Laune verkündete, dass er uns nun endlich in nur etwas mehr als 2h nach Miami runter fliegen würde (statt 2h / 40 Minuten). Aha, jetzt war uns klar, warum ihm dann der Treibstoff ausgeht. Die Reihen im Flugzeug hatten sich merklich gelichtet und einige hatten wohl vorgezogen, ihre Reise vorzeitig zu beenden. Wir konnten auf 17D und 17E umziehen. Das brachte uns 18 Reihen a 8 Passagieren. Wir hatten beschlossen, es noch auf’s Schiff zu schaffen, und waren soeben mal 144 Plätze dem Ausgang näher. Und wir hatten nur Handgepäck. Touchdown in Miami um 4.18 Uhr. Wir rannten wie die Wilden. Miami ist ein bissl größer als Tegel, wisst ihr, keine Ahnung, wie wir es schaffen konnten, um 4.40 Uhr im Taxi zu sitzen. Die Mission war zum Scheitern verurteilt, unmöglich, der Taxifahrer fuhr seine eigene Bestzeit, heizte durch Miami Richtung Hafen, völlig absurd und eigentlich nur im Heli zu meistern…während ich den Fahrstil bewunderte und Thomas wieder am Telefon mit NCL dringendst bat, auf uns zu warten…vollbrachte er (also der Taxifahrer) eine echte Meisterleistung und setzte uns um 4.53 Uhr am Cruise Terminal ab. Raus aus dem Taxi rannten wir weiter vor die verschlossene Tür, an die bereits die Flip-Flops trommelten. ??? Wie hatten die denn das geschafft? I have no idea, denn die sind ja hinten auf 35 geblieben und hatten wirklich renn-technisch mehr als ungünstiges Schuhwerk. Bitten, Betteln, Diskutieren – nichts half. Too late. Ein Schiff wird fahren – leider ohne uns. Und ohne die Flip-Flops. Nun saßen wir im selben Boot.
Netterweise hatte unser Taxifahrer gewartet und brachte uns, diesmal die Fahrweise dann der Situation angepasst, zurück zum Flughafen. Die Flip-Flops nahmen wir natürlich mit. Geteiltes Leid usw…wir freundeten uns sofort an. Und Flip ist übrigens Sarah und Flop der Bob. In Kirk’s 2h und 8 Minuten Powerflug war in mir inzwischen die Idee zu Plan D gereift. Bahamas-Air sollte uns noch am gleichen Abend von Miami in nur 35 Minuten nach Nassau bringen. Wir (inkl. Sarah und Bob) waren 11 Stunden und 30 Minuten vorm Boot vor Ort, haha, genossen einen netten Abend im spontan gebuchten Melia Nassau Beach, und checkten dann am nächsten Morgen um kurz nach 8 Uhr am Hafen ein.
Ich merke gerade, dass ich etwas zu sehr “ausgeschweift” bin diese Woche. Sorry. Daher mache ich spontan jetzt mal n Zweiteiler draus! Demnächst: Eine Seefahrt, die ist lustig…!! Soviel sei verraten: Das Schiff hatte das Hafenbecken in Miami ohne Probleme verlassen, das Bermuda-Dreieck ist sicher nur irgendeiner Piraten-Fantasie entsprungen und existiert im wirklichen Leben gar nicht, und wir, nebst der anderen 1998 Passagiere die an Bord waren, sind sowas von frisch und rundum desinfiziert, dass wir momentan nicht die beliebte Desinfektion-durch-Alkohol-Therapie im Sunroom praktizieren müssen, hält sicher noch etwas an…
Nassau
Wir hatten einen tollen Kurztrip – mehr dazu wie hier– mit karibischem Flair und Sonne, und sind ohne weitere Zwischenfälle (also wahrscheinlich ohne Kirk auf dem Rückflug) wohlbehalten wieder in Philly gelandet.
Passt auf euch auf, ist ja durchaus auch mal Seegang an Land!
 
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