Entdeckungstour durch Namibia

von Helene Marticou | mehr Artikel von | 9. März 2015 | Aus den Reisebüros | Keine Kommentare

Mit dem Direktflug von Frankfurt nach Windhoek mit Condor ist Namibia einfach und bequem in 10 Stunden zu erreichen. Leider kommt der Flug erst am späten Abend, 45 km außerhalb der Stadt, am internationalen Flughafen an. Wegen wilder Tiere die des Öfteren die Fahrbahn queren empfiehlt es sich, möglichst nahe am Flughafen in einer Lodge oder einem Guesthouse zu übernachten.

Wir haben es vorgezogen mit dem Taxi nach Windhoek zu fahren und unseren Mietwagen am nächsten Tag dort in Empfang zu nehmen. Die Taxifahrt hat uns ungefähr35 Euro gekostet.

Die Bankschalter am Flughafen sind abends noch geöffnet. Dort haben wir Bargeld getauscht und den besten Kurs während unserer Reise bekommen. An den ATM-Automaten bekommt man auch an allen Tankstellen mit der EC/Mastercard nach Wahl 500, 1.000 bis max. 2.000 N$, je nach Bank. Achtung: Die Gebühr bei der Geldauszahlung beträgt ca. 6 EUR pro Transaktion. AMEX und Diners werden fast nirgends, VISA Card meist schon akzeptiert. An Tankstellen wird bar bezahlt und es herrscht anders als in Deutschland keine Selbstbedienung.Wüste NamibiaWir wollten mobil sein und haben uns im MTC-Shop in der Independence Avenue eine SIM-Card (Prepaid) für unser Handy gekauft. Die Verkäufer sind sehr freundlich und haben uns das Handy nach unseren Wünschen eingerichtet. Im Einkaufscenter nebenan, im Kalahari Sand Hotel, kann man bei Safariland Holtz vergessene Ausrüstung für den Urlaub preiswert kaufen.

Als Mietwagen hatten wir uns für einen 4×4 SUV entschieden. Wegen des Steinschlags auf den Schotterpisten ist ein SUV äußerst ratsam. Will man außerhalb der Pisten fahren (z.B. in Sossusvlei) ist ein 4×4 Vorschrift. Empfehlenswert ist die Versicherung gegen Reifen- und Glasschäden. Man fährt viele Kilometer Schotterpisten und die Steine außerhalb der Pisten können sehr scharfkantig sein.

Die B1, eine gut ausgebaute Asphaltstraße, führte uns zunächst 125 km nach Norden. Dann begann an der Abzweigung zum Erindi Private Game Reserve die Realität: Sand- und Schotterpisten. Nervig sind die häufigen Querwellen. Es ist ein Gefühl, als fahre man im Schneematsch. Die erlaubten 100 km/h sind abenteuerlich schnell – 80 km/h sind meist vertretbar.

Erindi

Wir wohnten im Erindi Camp Elephant. Liebevoll ausgestattete Superior Bungalows mit eigener Terrasse zum Wasserloch, das Restaurant am Wasserloch mit sehr gutem Essen, zwischendurch ‚Tea Time‘ (oder Kaffee) mit Kuchen. Stundenlang relaxen und Tiere am Wasserloch beobachten war für uns Entspannung pur.Erindi Camp Elephant NamibiaMan kann im Camp Elephant einen Bungalow mit Selbstverpflegung oder einen Campingplatz buchen – ebenfalls an einem eigenem Wasserloch zur Tierbeobachtung. Morgens und abends werden Game Drives angeboten, dies sind zweistündige Jeep Safaris mit einem Führer. Wir haben uns für eine abendliche Fotosafari mit Tim entschieden und unvergessliche Eindrücke gewonnen. Tim ist Fotograf und platzierte den Jeep für unsere Gruppe im besten Fotolicht. Erstaunlich, wie er in der Weite der Steppe selbst kleinste Vögel im Gestrüpp aufspürte.Wasserloch Erindi NamibiaVon Erindi fuhren wir nach Omaruru. Unter schattenspendenden Bäumen konnten wir nach einer kilometerlangen Schotterpiste einen Kaffee bei Kashana genießen – unvergesslich. Um die Ecke von Kashana befindet sich der SPAR-Laden. Sein Sortiment entspricht europäischen Anforderungen. Wir deckten uns dort mit Proviant für die nächste Etappe, ein Guest House in Usakos, ein.

Usakos

Von Omaruru fuhren wir weiter nach Usakos – zur Entspannung war die Straße asphaltiert, aber mit viel Verkehr.

Usakos selbst ist eine kleine Stadt mit zwei Tankstellen. Touristisch hat es nicht viel zu bieten. Wir hatten in Erindi einen Amerikaner getroffen, der in Usakos seine Frau kennenlernte und dort vor 20 Jahren geheiratet hat. Usakos ist ein guter Ausgangspunkt um das Erongo-Massiv und die Spitzkoppe zu erkunden.

Das von Brigitte und Jürgen geführte Guest House am Khan River, in dem wir wohnten, überraschte uns positiv: Liebevoll eingerichtet in idyllischer Ruhe mit wunderschöner Terrasse, grünem Rasen mit blühenden Pflanzen und einem Grillplatz für die namibische Südwester-Tradition, das Braaien (Grillen). Wir wurden sehr herzlich empfangen und fühlten uns während unseres Aufenthaltes sehr wohl.Okambishis Rest Namibia Guest HouseDie beiden leben gemeinsam mit dem adoptierten, quirligen Mischlingshund Thadea, einer Menge Hühnern (für die Frühstückseier) und dem Geparden Kambishi. Nach seiner Fütterung durften wir Kambishi, der nun wohlig schnurrte, unter Aufsicht Jürgens streicheln. Dennoch ist er kein Schmusekater und bewacht hervorragend das eingezäunte Privatgelände der Hausherren.Namibia Gepard des Guest HousesIm Paket wird ein Ausflug zum Erongo oder zur Spitzkoppe angeboten. Brigitte erwies sich sowohl als fundierte Kennerin der geologischen Besonderheiten (wir befanden uns geradezu auf einer Spielwiese für Geologen) als auch von Flora und Fauna. Ein empfohlenes Muss ist der Besuch von Ameib im Erongo: Unglaublich große Kugeln aus Granit liegen bei Bulls Party einfach herum, als hätte ein Riese mit Murmeln gespielt. Alles hat riesige Dimensionen. Das Auge kann sich kaum satt sehen. Fantastisch. Auch der bei 35°C beschwerliche Aufstieg zum Philipps Cave wird belohnt durch den Anblick der urzeitlichen Felsgemälde und dem zauberhaften Ausblick über das Gelände.Ameib Erongo NamibiaAmeib Erongo, NamibiaWir konnten Brigitte überreden mit uns auch den Ausflug zur Spitzkoppe am darauf folgenden Tag zu unternehmen. Auch dieses Gebiet weckt Begeisterung bei jedem Geologen. Zu sehen bekommt man etwas Ähnliches wie im Arches Natural Park in Utah, USA,  jedoch in klein und aus Granit und nicht aus Sandstein. Grüne Ecken beherbergen seltsame Vögel und Erdhörnchen.Spitzkoppe NamibiaErdmännchen NamibiaAuf dem Rückweg haben wir an einem Verkaufsstand gehalten, an dem Einheimische gefundene Mineralien und Halbedelsteine anbieten. Hier bekommt man einen Überblick über die Bodenschätze, die hier einfach so herumliegen. Beim Verhandeln über den Preis dann noch eine Überraschung: Uns wurde ein Preis genannt plus ein Brot. Ein Brot? JA, denn für die einheimische Bevölkerung ist ein belegtes Brot eine Kostbarkeit. Für uns war dies ein Denkanstoß, unseren Nahrungsmitteln auch wieder Wertschätzung zukommen zu lassen. Für ein belegtes Brot war auf unserer Reise jeder unendlich dankbar.

Swakopmund

Von Usakos nach Swakopmund verändert sich die Landschaft allmählich und wird zur Wüste. Es waren die letzten 140 km asphaltierte Straße für lange Zeit, aber auch die letzte Abkühlung vor den hohen Temperaturen der Wüste. Uns war kalt – mitten im Sommer.

Unser Standort, das Hansa Hotel, erwies sich als sehr gute Wahl: Ein sehr gepflegtes Hotel im Kolonialstil mit ausgezeichnetem Service und zentraler Lage.Hansa Hotel Swakopmund Namibia Swakopmund ähnelt einer deutschen Kleinstadt mit Buchläden, einer Apotheke, Friseuren, Restaurants und Bierstuben. Man spricht (fast) überall deutsch. Leider schließen die Geschäfte bereits um 17:00 Uhr. Auch Restaurants haben selten länger als 21:00 Uhr geöffnet. Lediglich das Brauhaus ist geöffnet, solange Gäste da sind.

In Swakopmund werden abwechslungsreiche Programme angeboten: Sandboarding, Quadfahrten, Bootsfahrten, Flüge über die Dünen uvm. Wir haben uns für die Living Desert Tour entschieden und wurden pünktlich um 08:00 Uhr von unserem Hotel abgeholt. Auf einer Sanddüne hielten wir. Zu sehen gab es Nichts außer Sand – zunächst. Dann zeigte uns unser Guide Spuren von Lebewesen, sammelte dort verschiedene Käfer und Spinnen, grub ein 20 cm tiefes Loch und zog einen Gecko aus dem Sand und fing eine Echse, die im Sand schwimmt, als wäre sie im Wasser. Erstaunlich, was man in dieser vermeintlich lebensfeindlichen Umgebung sieht, wenn man seine Sinne darauf richtet. Selbst das Chamäleon und die Sandviper hätten wir ohne ihre Hilfe nicht wahrgenommen. Wir haben viel erlebt und diese für uns unwirkliche Natur mit anderen Augen gesehen.  Wir können diese lehrreiche Tour jedem empfehlen. Ein unvergessliches Erlebnis, selbst die Kinder in unsere Gruppe waren begeistert.Chamäleon Swakopmund Namibia

Sossusvlei

In einem der Supermärkte in Swakopmund werden Wasservorräte gekauft, das Auto wurde vollgetankt (Pflicht) und auf asphaltierter Straße ging es Richtung Sossusvlei, bis zum Flughafen Walvis Bay. Dann begann die Schotterpiste, auf der wir bis zum Rest unserer Reise fuhren. Leute, die von Sossusvlei nach Swakopmund kamen, haben uns den Weg als öde und eintönig beschrieben. Zu sehen gäbe es Nichts, viel Nichts. Wir empfanden dies jedoch anders. Langweilig war unseren Augen nicht. Es mag vielleicht an der Reiserichtung gelegen haben: Wir fuhren in Richtung Landesinnere (mit Bergen, Dünen etc.) in der Gegenrichtung fährt man auf das Meer zu – und da sind keine Berge. Mit sieben entgegenkommenden Autos hielt sich der Verkehr während der 280 km langen Schotterpiste in Grenzen. Entfernungen sind in diesem Land einfach größer, Ortschaften hingegen kleiner. Unser Navi hat uns früh genug auf Abzweigungen hingewiesen. Das Navi funktioniert auf den Hauptstraßen (B- und C-Markierungen) recht ordentlich, will aber manchmal auf Nebenstraßen (D-Markierungen) abbiegen, obwohl weit und breit keine Kreuzung zu sehen ist. Zumindest ist es ein sehr guter Indikator dafür, wie lange das Rütteln der Piste noch dauern wird.Schotterpiste NamibiaUnsere Unterkunft in Sossusvlei, das Sossus Dune Lodge, erwies sich als optimal, denn es liegt innerhalb des Naturschutzgebietes. Man kann also jederzeit in die Dünenlandschaft aufbrechen und ist nicht an die Öffnungszeiten (mit Warteschlange vor dem Tor und der Kasse) gebunden. Die Bungalows sind über einen Holzsteg miteinander verbunden und die Anlage ist sauber und gepflegt. Auf der Terrasse kann man Nachts die Stille unter einem imposanten Sternenhimmel genießen. Außer den Kau-Geräuschen der an der Terrasse vorbeiziehenden grasenden Oryx-Antilopen und gelegentlichem Heulen eines Schakals in der Ferne ist kein Laut zu hören. Himmlische Ruhe.Sossus Dune Lodge NamibiaUm 4 Uhr morgens wird man vom Personal geweckt, sofern man an der morgendlichen Safari mit Frühstück in den Dünen teilnehmen möchte. Noch in völliger Dunkelheit ist Abfahrt. Wir haben auf dieses frühe Vergnügen verzichtet, sind aber zu unterschiedlichen Tageszeiten mehrfach die 60 km lange asphaltierte Straße bis ans Ende gefahren. Mit wechselndem Licht sehen die Dünen jedes Mal eindrucksvoll aus.Dünenlandschaft Sossusvlei NamibiaVom Ende der Asphaltstraße führt eine 5 km lange Sandpiste bis zum Dead Vlei. Diese darf nur mit 4×4-Fahrzeugen befahren werden (bei Widersetzung werden hohe Strafen verhängt) und ist ein Vergnügen für alle Offroad-Fans. Unter schattenspendenden Sträuchern schauten rechts und links der Piste Antilopen unserem mühsamen Vorankommen im tiefen Sand zu.

Auf die angebotene einstündige Ballonfahrt über die Sanddünen des Sossusvlei mit anschließendem Sektfrühstück haben wir verzichtet, da hier Preis und Leistung in keinem vernünftig darstellbaren Verhältnis liegen.

Nach dem letzten Frühstück auf der Terrasse unseres Hotels wanderten wir durch den Sesriem Canyon, einem 30 m tief eingegrabenem Flussbett. Tipp: Der Einstieg befindet sich links vom Parkplatz und ist nicht leicht zu finden.Sesriem Canyon Sossusvlei NamibiaIn der morgendlichen Kühle war es ein schöner Abschluss unserer Reise, bevor wir die 350 km Piste über den Gamsberg Pass zum Flughafen antraten. Die manchmal recht steile Passstraße bietet sehr schöne Ausblicke und führt auf das Hochplateau, auf dem auch Windhoek liegt.

Namibia ist ein wunderschönes Land mit wunderbaren Menschen, birgt aber viel Suchtgefahr: Wir werden wiederkommen!Giraffe Namibia

 
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