55 Jahre Neckermann Reisen – Kataloge damals und heute

Newsroom, Themen | 5. Juli 2018 | Keine Kommentare

Die Deutschen zählen heute zu den Reiseweltmeistern. Keine andere Nation verreist so viel wie die Deutschen. Den Auftakt zur Begründung des deutschen Reisebooms bildete der erste Katalog von Neckermann Reisen. Vom kleinen Beilagenheft eines Versandhaushändlers 1963 bis heute haben sich die Reisekataloge stetig weiterentwickelt. Dabei greift Neckermann seit jeher aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die sich ändernden Bedürfnisse seiner Kunden auf, um eine attraktive Auswahl an Angeboten in verlässlicher Qualität zu günstigen Preisen zu bieten.

1963: Die Geburtsstunde des ersten Reisekatalogs

Als der Frankfurter Versandhaushändler Josef Neckermann 1963 seinem Warenkatalog ein sechs Seiten dünnes Heftchen mit Reiseangeboten beilegt, löst er in Deutschland eine Revolution aus. Es ist die Geburtsstunde des ersten Reisekatalogs, eines vierfarbigen Prospekts im DIN A5-Format mit edlem Gold auf der ersten Seite. Im Angebot sind organisierte Reisen zum Festpreis nach Mallorca, Tunesien, Dalmatien, Montenegro, an die Costa del Sol und ans Schwarze Meer.

Die Preise für „15 Tage, alles inbegriffen“ sind seinerzeit eine Sensation. Zwei Wochen Mallorca mit Vollpension gibt es schon für 338 Mark. So werden Flugreisen in den Zeiten des Wirtschaftswunders der frühen 60er Jahre erstmals auch für das „normale“ Volk erschwinglich, das bis dahin vor allem mit Auto, Bus und Bahn in die Ferien aufbrach und Neckermann ebnet in Deutschland den Weg zur Demokratisierung des Urlaubs.

Ganz gezielt wirbt Neckermann im Katalog bereits damals mit den Vorteilen einer organisierten Reise: „Eine Flugreise bietet große Vorteile, wenn sie gewissenhaft geplant und sorgfältig vorbereitet ist. Wir haben an alles gedacht.“ Am Zielort sollten sich die noch unerfahrenen Touristen fühlen wie zu Hause. „Typische Merkmale sind saubere Zimmer, reichliche Hauptmahlzeiten, eifrige Bedienung und eine kleine Bar, in der Sie viel für wenig Geld erhalten“, heißt es im Katalog weiter. Mit dem Angebot trifft Josef Neckermann den Nerv der Zeit. Es gehen wäschekörbeweise Reiseanmeldungen ein, damals noch ausschließlich per Post.

Reisetrends und Kataloge im Wandel der Zeit

In den Folgejahren untermauert Neckermann sein bis heute gültiges Motto „Neckermann macht’s möglich“ und bietet mit jedem neuen Katalog eine noch größere Urlaubsvielfalt in immer mehr Destinationen zu Preisen, die Urlaub für alle erschwinglich machen sollen. Die Reisefreudigkeit der Deutschen wächst von Jahr zu Jahr. 1965 gibt es die erste „Fern- und Traumreise in den Libanon.“ In den darauf folgenden Jahren kommen weitere Fernreisen hinzu. 1966 stehen im Prospekt, der bereits in einer Auflage von sieben Millionen Stück gedruckt wird, bereits 19 Ziele in 13 Ländern zur Auswahl.

Entscheidend für die Entwicklung des Pauschaltourismus war auch die Einführung des Jumbo 747-400. Immer mehr Ziele werden ab 1967 mit den modernen Düsenjets angeflogen, die 1967 und 1968 prominent auf dem Katalog abgebildet sind und das Fernweh befördern. Die Zahl der Abflughäfen in Deutschland wird auf acht erhöht. Als erster Veranstalter bringt Neckermann Urlauber im großen Maßstab nach Übersee. Neben Safaris in Ostafrika stehen unter anderem auch Thailand, Ceylon (heute Sri Lanka), Japan, Mexiko und Indien im Programm.

Die Pauschalreise entwickelt sich zum Erfolgsmodell und Neckermann wird in Deutschland zum Synonym dafür. 1971 sind die Deutschen bereits offiziell Reiseweltmeister. Nach der Wiedervereinigung verstärkt sich dieser Effekt. Neckermann verdoppelt seine Katalog-Auflage und erweitert sein Programm, da auch die Bürger der ehemaligen DDR ihre neu gewonnene Reisefreiheit voll auskosten möchten.

Seit 55 Jahren beweist Neckermann stets Gespür für neue Trends und begegnet Herausforderungen mit innovativen Ideen, die bis heute nachwirken und sich auch in den Katalogen wiederspiegeln.

So landet der Reiseveranstalter im Sommer 1968 erneut einen Coup. Während sich die Urlauber im Sommer 1968 noch am Strand in der Sonne aalen, präsentiert der Veranstalter nach dem Vorbild der Modeindustrie in St. Moritz bereits im Sommer das kommende Winterprogramm. Damals feierte die Presse das innovative Novum. Heute hat sich dieses Vorgehen branchenweit etabliert und die Kataloge erscheinen bei allen Veranstaltern im Voraus.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und 2003 auf Bali und Kenia, bricht der Tourismus nach Jahren des Booms ein. Die Kunden reagieren verunsichert, buchen zurückhaltend und immer kurzfristiger. Das bedroht die Existenz des Veranstalters. Neckermann reagiert mit der Einführung von attraktiven Frühbucherrabatten. 2003 wird im Katalog erstmals ein zweiter Preisteil integriert, der die Frühbucherpreise separat ausweist. Bis heute spielen Frühbucherrabatte bei der Reisebuchung eine wichtige Rolle, da sie die langfristige Budget- und Reiseplanung erleichtern.

Vom Urlaub für alle zur gezielten Zielgruppen-Ansprache

Während bei Neckermann in den ersten Jahren vor allem ein günstiger Reispreis und die Erweiterung des Portfolios mit immer mehr Destinationen im Fokus stehen, rücken mit der zunehmenden Demokratisierung des Reisens über alle Bevölkerungs- und Altersgruppen in den 70ern erste Zielgruppen in den Fokus: Überwinterungsangebote im Warmen für Senioren, Kinderermäßigungen für preisbewusste Familien oder die Einführung des Cluburlaubs mit Gründung des Aldiana Clubs in Gambia, der jungen Menschen, die mehr vom Urlaub erwarten als faul am Strand zu liegen, ein abwechslungsreiches Aktivitäten-Programm bietet und damit wirbt, dass keiner alleine bleibt. 1975 legt Neckermann erstmals einen eigenen Prospekt mit Reisen des Jugendreiseveranstalters Club 28 auf, der sich speziell an eine feierwütige, sportlich-aktive und kontaktfreudige Jugend richtet. Entsprechend ist die Ansprache: Das „Feeling“ im Club ist „wahnsinnig gut“, „dufte“ und „echt“, die „Welcome-Party“ geht „locker über den Hocker“. 1976 biete Neckermann zusätzlich einen eigenen Prospekt für Bahnpauschal- und Autoreisen sowie organisierte Busreisen.

Die Vorstellungen, wie man seinen Urlaub verbringen möchte, driften immer weiter auseinander. In den 90er Jahren sieht Neckermann die Zeit gekommen, mit dem ersten Zielgruppen-Katalog darauf zu reagieren.

Nachdem Neckermann bereits fünf Jahre zuvor die Family Clubs ins Leben gerufen hat – familienfreundliche Anlagen mit geräumigen Familienzimmern, Betreuung und Animation für Kinder – legt der Veranstalter 1995 als erster Veranstalter überhaupt mit „Family“ einen eigenen Katalog für Familien auf, der auf große Resonanz stößt. Nicht nur, weil viele Hotels im Katalog nagelneu sind, sondern auch, weil erstmals spektakuläre Wasserrutschen abgebildet sind, die in türkischen Hotels gerade in Mode kommen.

Während die einen weiterhin mit Sonne, Strand und gutem Essen zufrieden sind, treibt es eine wachsende Zahl von Urlaubern auch in den Ferien zur Aktivität. Um diese Gruppe noch gezielter anzusprechen, führt Neckermann 1997 als zweiten Zielgruppenkatalog „Young & Sports“ ein. 1999 folgt mit „Neckermann Care“ der erste Wellnesskatalog. Im neuen Jahrtausend entwickelt sich ein Trend zum Kurzurlaub, den Neckermann 2007 mit dem neuen Jahreskatalog „Kurz mal raus“ aufgreift.

 

Die Rolle des Katalogs im Zeitalter des Internets und der Digitalisierung

Anfang des neuen Jahrtausends beginnt die Ära des Internets und der Digitalisierung, die auch in der Touristik große Veränderungen mit sich bringt. Der Katalog gehört noch immer zu den wichtigsten Instrumenten in der Kundenansprache, doch seine Bedeutung und die Erwartung an die Informationen und Aufmachung haben sich stark verändert.

Früher war der Katalog nahezu die einzige Möglichkeit, sich vor der Reisebuchung über Urlaubsregionen und Hotels zu informieren. In Zeiten des Internets, von Social Media und von Bewertungsportalen, recherchiert die Großzahl der Gäste im Vorfeld der Buchung online.
Der Katalog ist nicht mehr alleinige Informationsquelle sondern wird immer mehr zu einem komplementären Medium. Das zeigt sich mitunter auch in erweiterten Funktionen des Katalogs. So können Kunden seit 2014 beim Scannen eines Hotelbildes mit AR-Symbol aus den Katalogen zusätzliche digitale Inhalte wie weitere Fotos, 360-Grad-Rundgänge, Virtual-Reality-Videos und Google Maps in der mobilen Travelguide-App anzeigen lassen. Der Katalog wird somit immer mehr zu einem Inspirationsmedium.

Während im Katalog eine feste Vorauswahl an Reisemöglichkeiten gegeben ist, kommt mit der Jahrtausendwende die Möglichkeit, sich seinen Urlaub maßzuschneidern, was dem zunehmenden Wunsch nach Individualisierung der Kunden entspricht.

Mit Hilfe großer Datenbanken, in denen Veranstalter, Airlines, Bahn und Mietwagenfirmen ihre Angebote zusammenfließen lassen, wird eine ganz neue Form der Reisegestaltung möglich: das Dynamic Packaging. Dadurch können sich Kunden individuelle Reisepakete nach dem Bausteinprinzip zu tagesaktuellen Preisen online oder im Reisebüro zusammenstellen. Neckermann Reisen bietet seinen Kunden mit Mix & Travel schon früh die Möglichkeit dynamische Pakete zu buchen und entwickelt das seit 2009 als XNEC bekannte Programm kontinuierlich weiter. Das Angebot ist dadurch wesentlich größer und vielfältiger als im Katalog, der diese Komplexität nicht mehr abbilden kann.

Immer wichtiger wird hingegen, ausgewählte Informationen zielgruppengerecht und übersichtlich darzustellen. So finden sich im aktuellen Katalog „Familienferien“ eine übersichtliche Kennzeichnung der angebotenen Hotels mit Labels wie „Family Time“, „Family Fun“, „Family Splash“ oder „Family Garden“. Kundenfreundlich dargestellte Kinderfestpreise ab 99 Euro vereinfachen die Orientierung bei der Wahl der passenden Urlaubsunterkunft.

Oder Gäste, die mit gutem Gewissen reisen möchten, erkennen in den aktuellen Katalogen des Veranstalters anhand des Green Travel Labels, welche Hotelangebote nachhaltig zertifiziert sind.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielen auch Informationen über zubuchbare Leistungen wie Sitzplatzreservierung, Buchung von Privat-Transfers oder so innovative Services wie „Mein Zimmer“ oder „Meine Sonnenliege“, die Kunden die Möglichkeit geben, ihren Urlaub nach individuellen Wünschen zu gestalten.

Für die Katalogproduktion selbst bedeutet die Digitalisierung zunächst eine deutliche Vereinfachung der Prozesse und eine Vervielfachung an Gestaltungsmöglichkeiten. Wo früher aufwändig Texte und Bilder von Hand gesetzt wurden, hält moderne Digitaltechnik Einzug, und die Mitarbeiter können heute aus einer riesigen Bilddatenbank schöpfen. Zudem gibt es die Kataloge nicht mehr nur in der Printversion, sondern sie stehen auch als Online-Variante auf neckermann-reisen.de zur Verfügung oder können ganz bequem mobil auf dem Tablett durchgeblättert werden.

Auch wenn sich die Bedeutung des Kataloges im Laufe der Zeit gewandelt hat, und er heute nur eine von vielen Informations- und Inspirationsquellen ist, bleibt er bei den Kunden von Neckermann weiterhin gefragt. Diese schätzen nach eigenen Angaben trotz aller Aufgeschlossenheit gegenüber moderner Kommunikation noch immer, zusätzlich auch etwas zum Anfassen und Durchblättern zu haben.

 

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